Tyll – das Hörspiel zum Buch

Ein kleiner Hör-Tipp für alle Kehlmann-Leser: Das Buch Tyll gibt es jetzt auch online zu hören, der WDR hat daraus ein Hörspiel mit acht Teilen gemacht: Hier geht es direkt zur WDR-Mediathek.

Bis wann das Hörspiel noch nachhörbar und downloadbar ist, steht leider nicht auf der Seite.

Nachtrag: Der WDR hat auf meine Anfrage geantwortet – das Hörspiel ist noch ein ganzes Jahr auf der Seite abrufbar. Man kann sich also Zeit lassen mit dem Anhören – oder es trotzdem gleich mal runterladen.

Advertisements

Der freie Vogel fliegt, Band 2 und 3

„Der freie Vogel fliegt“ ist eine Comic-Reihe mit (mindestens) sechs Bänden, in der ein 16-jähriges Mädchen namens Xiaolu die Hauptrolle spielt.  Mir gefällt der chinesische Comic (bzw. Manhua)  sehr gut, daher will ich nun hier auch die Bände 2 und 3 kurz besprechen. Die Rezension von Band 1 kann man hier nachlesen.

Die Geschichte von Xiaolu geht weiter. Nachdem in Band 1 vor allem die Scheidung der Eltern und die schlechte schulische Leistung thematisiert wurden, wird Xiaolu nun langsam erwachsener.

Xiaolus Ausflüge in die Welt der Fantasie sind keine Fluchten mehr aus der Realität, zumindest nur noch selten. Es sind inzwischen daraus Verhaltens-Taktiken geworden. Die braucht sie auch, denn immer noch schwärmt sie für einen Jungen, traut sich aber nicht, ihn anzusprechen. Da braucht es schon Taktiken, um ihn ja nicht ansprechen zu müssen…

Obwohl Xiaolu selbst sich nicht traut, ihren Schwarm anzusprechen,  fühlt sie doch sehr mit ihren – neuen – Freundinnen mit, wenn die sich zoffen, ihre Beziehungen auseinander gehen.

Xiaolu muss  einiges wegstecken: wie oft Beziehungen in ihrer Umgebung scheitern, belastet sie sehr. Dann wird eine Freundin von ihr schwanger, ihre Cousine nimmt sich das Leben.

Den beiden Autorinnen, Jidi und Ageng, gelingt es, diese ernste Seiten in Xiaolus Leben so zu verpacken, dass sie überzeugend wirken. Die Sicht Xiaolus entspricht dem, was Jugendliche in China in den 1980er Jahren denken. Es gibt keinen weisen Erzähler, der aus seinen Fehlern gelernt hat, keine rückblickenden Wertungen.

Wie bereits im ersten Band, haben mir auch hier die Bilder sehr gefallen. Die Bilder transportieren die Stimmung. Xiaolus Trauer, die Verzweiflung ihrer Cousine: überzeugend in Bilder umgesetzt. Xiaolus Entschlossenheit, ihrer Freundin beizustehen: herrlich komisch im Karate-Stil dargestellt. Xiaolus Scheu, ihren Schwarm ansprechen: grandios grotesk umgesetzt.

Für die kommenden Bände gibt es genügend Cliffhanger, die einer Auflösung bedürfen. Allerdings wird in „Der freie Vogel fliegt“ nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern viele. Dies hat zwar den Nachteil, dass es viele lose Fäden mit vielen offenen Fragen gibt, aber zugleich auch den großen Vorteil, dass man einiges über das Leben Jugendlicher in China erfährt.

Alle Bände der Reihe „Der freie Vogel fliegt“ sind zweisprachig – deutsch und chinesisch. Für fortgeschrittene Chinesisch-Lerner findet sich am Schluss noch eine ausführliche Vokabelliste. Vielleicht bringt ja der Verlag eines Tages eine rein deutsche, komplette Ausgabe heraus. So muss man für die gesamte Reihe jetzt noch deutlich über 100 Euro ausgeben.

Einen kleinen Textauszug aus dem zweiten Band kann man hier nachlesen.


Jidi und Ageng: Der freie Vogel fliegt,
Band 2
Chinabooks 2018
ISBN 9783905816730

 


Jidi und Ageng: Der freie Vogel fliegt,
Band 3
Chinabooks 2018
ISBN 9783905816747

Wird das was – oder kann das weg?

Ein Buch, das mir in den letzten Wochen eine große Hilfe war, will ich an dieser Stelle einmal kurz vorstellen: Barbara Oftrings Buch „Wird das was – oder kann das weg?„. Vor zwei Jahren bin ich zum Hobby-Gärtner geworden, und eben jene Frage, die das Buch als Titel trägt, beschäftigt mich immer wieder: Was wächst da, muss ich es rausreißen? Oder gehört das so?

Die Taktik des Abwartens hat sich nicht wirklich bewährt – letztes Jahr kamen meine Ringelblumen recht spät, weil ich das Unkraut dazwischen nicht rechtzeitig (also frühzeitig!) entfernt hatte. Ein wenig wild darf mein Garten ja aussehen (naja, überall nicht…), aber schön wäre es doch, zu wissen, was rauszureißen ist, bevor es zu spät ist. Die Winde zum Beispiel, die an meinen Heidelbeeren hochwächst, habe ich gleich einmal entfernt, ist sie doch bei den zehn lästigsten Pflanzen im Garten aufgelistet.

An die Frage, was Unkraut ist, geht Bärbel Oftring sehr pragmatisch ran: alles, was nicht absichtlich gepflanzt ist, ist erst einmal Unkraut. Aber nicht jedes Unkraut ist schlecht. „Wachsen lassen!“ lautet des Öfteren der Rat, „Pflanze unbedingt rausreißen!“ heißt der Ratschlag vor allem dann, wenn es eine Pflanze ist, die sich schnell wuchernd ausbreitet. Daneben gibt es praktische Tipps, wozu man die Pflanzen noch verwenden kann und worauf man beim Rausreißen gegebenenfalls achten sollte. Gelernt habe ich zum Beispiel, dass man Vergissmeinnicht rausreißen kann, wenn sie verblüht sind, weil sie dann bereits ihren Samen ausgestreut haben.

Gegliedert ist das Buch sehr übersichtlich durch die Form der Blätter, die ja das erste Merkmal zur Bestimmung sind. Und dann blättert man eben mal durch. Da zumeist mehrere Bilder abgebildet sind, kann man die Form der Pflanzen gut erkennen. Und hat man den Zwang nicht, ein Pflänzchen zu bestimmen, macht es auch Spaß, einfach mal so in dem Buch zu blättern.

Fazit: ein gut gemachtes, informatives Buch!

 

Bärbel Oftring: 
Wir das was – oder kann das weg? 
Erwünschte & unerwünschte Gartenpflanzen erkennen
Kosmos-Verlag 2017
ISBN 9783440153031

Jidi und Ageng: Der freie Vogel fliegt

Zitat

Damals wusste Xiaolu nicht, wie sehr sie sich viele Jahre später nach dieser Zeit, in der sie mit Su Yan in der Klassenecke saß, die Köpfe in die Bücher vergraben oder am malen und zeichnen, zurücksehnen würde.

So rann uns die allerschönste Zeit, während wir uns nach der Zukunft sehnten, ganz heimlich durch die Finger.

Jidi und Argeng:
Der freie Vogel fliegt, Band 2 (Comic)
Chinabooks 2018

Metamorphosen oder Der goldne Esel

Lügengeschichten, Schwänke, Räuberpistolen: all das findet sich in Apuleius‘ „Metamorphosen„. Der 400. Band der „Anderen Bibliothek“ begibt sich auf schwankhaft-komische Wege.

Man folgt Lucius nach Thessalien, und bereits unterwegs werden ihm so einige Lügengeschichten von gleichsam Reisenden aufgetischt. Wie gut, dass Lucius da nicht an einem Stück Käsekuchen erstickt ist!

An Johann Peter Hebels Schwänke erinnern die Geschichten, die Lucius in Hypata bei einem Geizhals namens Milo erlebt. Mit Hinterlist kommt Milo drumherum, dem Gast ein Essen anzubieten. Was Lucius allerdings mit der Magd Photis macht, entspricht nicht mehr ganz dem, was man bei Hebel lesen kann.

Schwankhaft ist auch die Totenwache, die Thelyphron hält, weil es ein einfacher Verdienst zu sein scheint – freilich: weit gefehlt, denn die Witwe hat andere Pläne. Hat sie doch ihren eigenen Mann umgebracht. Dass ein Toter für kurze Zeit wieder auferweckt wird, damit muss man bei Apuleius rechnen. Schließlich tauchen Hexen, ägyptische Propheten, Magier, Drachen und vieles mehr in seinen Geschichten auf.

Nach derlei eher komischen Geschichten, wird aus den „Metamorphosen“ eine rechte Abenteuergeschichte, denn Lucius, zum Esel verzaubert, wird von Räubern verschleppt und ist nolens volens im zweiten, großen Teil des Buches mit einer Räuberbande unterwegs. Dabei muss Lucius, der Esel, Schreckliches erleben, mehrfachst entkommt er nur knapp dem Tod oder der Kastration. Die Freiheit kommt schließlich erst, nachdem die Räuberbande fliehen muss. Hat sie doch zuvor den Ehemann einer entführten Tochter aus reichem Haus unwissentlich zu ihrem Räuberhauptmann erkoren.  Freilich wechselt der Esel noch einige Male den Besitzer, bevor er zum Menschen zurückverwandelt wird.

Eingeflochten sind auch hier immer wieder Lagerfeuer-Geschichten, allerdings weniger schwankhafte, die griechischen Sagen nehmen hier breiten Raum ein, allen voran die Geschichte von Amor und Psyche wie auch die von Charite.

Dem Weg des Lucius folgt man gern, wenn es auch nicht immer leicht ist, ihm zu folgen. Allerdings gewöhnt man sich mit der Zeit daran, dass die Handlung immer wieder von allerlei Geschichtenerzählern unterbrochen wird. Auch habe ich die leicht antiquierte Übersetzung mit der Zeit liebgewonnen. „Ich halte den Vorschlag für ersprießlich, stelle ihn euch aber völlig anheim“ – ebenso „apostrophiert“ Lucius das Mädchen und überführt die „Unfläter“. Da fällt es kaum noch auf, dass das Buch noch in der alten Rechtschreibung gedruckt ist. Wie gesagt: man gewöhnt sich an den Stil der Übersetzung recht schnell und freut sich an solchen Formulierungen.

Sehr hilfreich sind die Anmerkungen, die am Ende des Buches abgedruckt sind und vor allem Sagenfiguren erklären, die einem so nicht unbedingt geläufig sind. Ebenso führt ein Vorwort in Buch und Autor ein – für mich war es fast schon zu ausführlich, die vielen Verweise auf Motive, die anderswo noch in der Literatur auftauchen, hätte ich nicht gebraucht.

Gestaltet ist der Band sehr kunstvoll. Bilder verzieren die einzelnen Kapitel, die Innenseiten des Umschlags sind – dem Untertitel gemäß – in Gold gehalten. Ebenso der zugehörige Schuber. Auch das Papier ist von besonderer Qualität und ein Lesebändchen gehört natürlich auch dazu.

Alles in allem sind Apuleius‘ „Metamorphosen“ ein großer Lesespaß. Mir haben es dabei vor allem die Geschichten, die Lucius erlebt, als er als Esel sein Dasein fristet, angetan.

 


Apuleius: 
Metamorphosen oder Der goldne Esel 
Die Andere Bibliothek Band 400, 2018 
ISBN 9783847704003