Der Hut des Präsidenten

Francois Mitterrand vergisst eines Abends im Jahr 1986 seinen Hut in einem Restaurant  – und die Welt steht Kopf. Bei seinem neuen Besitzer entfaltet der Hut mit den Initialen F.M. nämlich eine magische Wirkung – endlich traut der sich was und wird prompt befördert. Doch nicht nur bei ihm wirkt der Hut auf rätselhafte Weise  – denn immer, wenn der Hut seinen Besitzer wechselt, verändert sich etwas im Leben der neuen Hutträger.

Mit feinem Humor erzählt der französische Schriftsteller Antoine Laurain in seinem Buch „Der Hut des Präsidenten“ von Veränderungen im Leben ganz unterschiedlicher Menschen, die endlich in Angriff genommen werden – dem Hut sei Dank. Ganz nebenbei streift Laurain dabei die französische Politik und Gesellschaft, allen voran die neue Kunst.

„Der Hut des Präsidenten“ ist ein leichtes Buch, das sich schnell lesen lässt. Es hat mich an französische Filme erinnert, die mit Chansons beinahe belanglos von der Liebe erzählen. Nur der Epilog ist ein Fremdkörper im Buch – etwas überspannt wird der Geschichte eine neue Wendung gegeben.


Antoine Laurain:
Der Hut des Präsidenten

Hoffmann und Campe Verlag 2016,
ISBN 9783455650228

Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte

Ein indischer Fakir kommt nach Paris, um das neueste Nagelbett-Modell von IKEA zu kaufen – das Modell mit 15000 Nägeln, in pumarot, aus echt schwedischen Kiefern und mit höhenverstellbaren rostfreien Nägeln. Freilich gibt es da einiges an Komplikationen: zunächst einmal gibt es das Bett nicht mehr zum Sonderpreis von 99,99 Euro. Und mehr als 100 Euro hat der Fakir namens Ayarajmushee Dikku Pradash nicht dabei. Und auch die sind gefälscht. Dass es ihm gelingt, den nur einseitig bedruckten Schein tatsächlich zum Bezahlen zu verwenden, liegt an seiner Fähigkeit, die Menschen abzulenken. Oder anders formuliert: der Fakir ist ein kleiner Hochstapler, ein moderner Felix Krull. Mit kleinen Betrügereien schlägt er sich durchs Leben – bis alles ganz anders kommt.

Unfreiwillig begibt Ayarajmushee sich von seinem IKEA-Besuch in Paris auf Weltreise. Denn weil er kein Geld hat, übernachtet er schlichtweg in der IKEA-Filiale – und ausgerechnet der Schrank, in dem er sich versteckt, wird abtransportiert. Von Paris zunächst nach Großbritannien. Von dort wird er nach Spanien abgeschoben, von wo aus er – diesmal in einem Koffer versteckt – direkt nach Rom weiterreist. Von dort geht es in einem Heißluftballon Richtung Libyen weiter – und dann wieder zurück nach Frankreich.

Romain Puértolas hat einen Abenteuerroman in Form eines modernen Märchens geschrieben. Ayarajmushee hat einiges zu be- und überstehen, bis er seine Angebetete in seine geläuterten Arme schließen kann. Vom Taxifahrer, der ihn verfolgt über einen unberechenbaren Kapitän bis hin zu Rebellen, die den Flughafen besetzt halten. Und wie in jedem guten Abenteuerroman wächst auch Ayarajmushee  an seinen Aufgaben. Geläutert steht er schließlich vor der Frau, an die er in IKEA (wo auch sonst) sein Herz verloren hat. Sympathisch macht das Buch, dass es trotz aller abstruser Erlebnisse des Protagonisten nicht im Klamauk endet. Dafür sorgen auch die ernsthaften Töne, die etwa über Flüchtlinge angeschlagen werden.

„Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte“ ist ein Buch, das leichtfüßig daherkommt – es ist unterhaltend, schnell zu lesen und mit viel Witz und Ironie versehen.

Romain Puértolas:
Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte

Fischer-Verlag 2014,
ISBN 9783100003959