Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Es ist ein herrlich verspieltes Buch, das uns Jaroslav Kalfar bietet. Schon der Titel verweist darauf, wie das Buch geschrieben ist: amüsant und kurzweilig. Die kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt beschränkt sich auf eine einzige Fahrt ins All. Und das auch nur, weil alle anderen Nationen die gefährliche Fahrt ins All zu der kosmischen Staubwolke Chopra zu gefährlich scheint. Das aus der sozialistischen Lethargie erwachte Tschechien hingegen sieht die Raumfahrt als neue nationale Aufgabe und schickt die JanHus1 ins All. An Bord: Jakub Procházka.

Doch der ist alles andere als ein kühner Held. Schon kurz nach dem Start der Raumfähre verlässt ihn seine Frau wie auch das Interesse an der Mission zur Erforschung der Staubwolke Chopra und er beginnt Gespräche mit einem außerirdischen Wesen, das in die JanHus1 eingedrungen ist, zu führen. Während Jakubs Geschichte im All zwischen Wahn und Wirklichkeit balanciert, ist die seiner Kindheit von grausamer Realität. Immer wieder sind Rückblicke in Kindheit, Jugend- und Studentenzeit eingeflochten. Als Kind eines Mitarbeiters der Staatssicherheit hatte es Jakub nach der Wende alles andere als einfach. Die Eltern kommen bei einem Seilbahnunglück ums Leben und die Großeltern müssen das Haus einem früheren Opfer von Jakubs Vater übergeben.

Jaroslav Kalfar beherrscht die Erzählkunst virtuos. Manches ist vielleicht etwas zu weitschweifig erzählt, aber Kalfars Debütroman hat den Schalk im Nacken, und so liest er sich wie eine neckische, feine Anekdote. Eine gelungene, kurzweilige Unterhaltung.


Jaroslav Kalfar:

Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
Tropen-Verlag 2017
ISBN 9783608503777

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Der seekranke Walfisch

Wenn einer sich auf Reisen begibt, kann er allerlei Kurioses erleben. Davon erzählt Ephraim Kishon in seinen Reisegeschichten, die ihn nach Italien, in die Schweiz und nach Amerika führen. Gesammelt sind die Satiren Kishons in dem Hörbuch „Der seekranke Walfisch“. In gekonnt grotesker Weise erzählt Kishon von seinen skurrilen Erlebnissen. Dabei ist sein häufigstes Stilmittel das der Übertreibung.

Natürlich nimmt Kishon die italienische Bürokratie auf die Schippe. Natürlich findet sich in der sauberen Schweiz kein einziger öffentlicher Mülleimer, und das Entsorgen des Schokoladenpapiers erweist sich als fast unmöglich. Natürlich hat es seinen Grund, weshalb der Führer durch das Tal der Millionen Schmetterlinge kein Honorar möchte. Natürlich ist es gar nicht so einfach, die passenden Souvenirs für die Freunde daheim zu finden – vor allem dann nicht, wenn man das am letzten Tag des Urlaubs machen muss. Natürlich bringt der Kauf eines Gebrauchtwagens in den USA so einige Schwierigkeiten mit sich. Die Parkplatzsuche in New York sowieso. Überhaupt gibt es jenseits von Europa, der „knarrenden Wiege der westlichen Kultur“, die kuriosesten Erlebnisse des Israeli auf Reisen.

Auch wenn es das Hörbuch „Der seekranke Walfisch“ nur noch antiquarisch zu kaufen gibt, gehört es doch zu den hörens- und lesenswerten Textsammlungen Kishons. Wem groteske, übertreibende Texte gefallen, für den bieten die Reiseberichte „Der seekranke Walfisch“ eine gelungene Unterhaltung.

Ephraim Kishon: 
Der seekranke Walfisch. 
Satirische Geschichten 
gelesen von Harald Juhnke 
ascolto Hörbuch 2007

Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut (DVD)

„Wer seinen Sohn nicht bis zum 13. Lebensjahr beschneidet, der stellst sich außerhalb des Bundes mit Gott“ – so heißt es in der Tora. Und da Simons Vater sich an die 248 Gebote und 365 Verbote der Tora halten will, soll der kleine chirurgische Schnitt, der noch fehlt, nachgeholt werden. Freilich: Simons Mutter sieht das Ganze als Barbarei. Der Familienfrieden ist mehr als gefährdet.

Witzig und unterhaltend – so kommt der Film „Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut“ daher. Leichtfüßig nimmt die manchmal schwarze, aber nie bitterschwarze Komödie die Beschneidung aufs Korn. Die Mutter ist strikt dagegen, dass ihr inzwischen 12-jähriger Sohn Simon beschnitten wird, der Vater dafür, seit er die Religion wieder für sich entdeckt hat und versucht, alle Gebote der Tora einzuhalten. Hinzu kommen Simons pubertäre Freunde und die erste große Liebe, die sein Leben ordentlich durcheinanderwirbeln und schließlich nimmt Simon die Sache selbst in die Hand – mit fatalen Folgen.

Einzelne Szenen des Films waren mir etwas zu übertrieben, wie etwa die Sitzung der Opfer männlicher Genitalverstümmelungen, insgesamt aber ist es ein witziger und zugleich feinsinniger Film.

Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut
Regie: Viviane Andereggen 
Indigo-Film 2015 

Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt

Was für ein bedauernswerter Mensch so ein Familienvater doch ist – denkt Nils Heinrich und erfährt kurz darauf, dass seine Frau schwanger ist. Nun also stürzt sich Heinrich ins Familienleben. In seinem Buch „Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt“ schildert der Comedian kleine Episoden aus dem Familienalltag eines geplagten Vaters. Er muss erkennen, dass Kinder das Leben ganz schön durcheinanderwirbeln – vor allem dann, wenn der Sohn nicht auf den Mund gefallen ist.

Nils Heinrich gelingt es in den vielen kurzen Geschichten, den Familienwahnsinn aufzudröseln und ins Groteske zu verzerren. Das geht vom ersten Wort (Wenn ich mich gerade nicht täusche, hat er miaut) über die Kindersprache (Na, die Pämpi vollgekäckert?) bis hin zum Kinderkarneval (Wie macht der Löwe? Aterne, Aterne, Wonne, Kot und Herne). Angenehm ist die Mischung aus Geschichten, in denen der Sohn im Vordergrund steht, und den Texten, in denen es mehr um den Gemütszustand der Eltern geht. Auch wenn nicht alle Geschichten pointiert sind und manches nicht ausgeführt ist, bietet Nils Heinrich in seinem neuen Buch genug Stoff für gute Unterhaltung. „Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt“ ist ein kurzweiliges Buch für zwischendurch – nicht nur für gestresste Eltern.

Nils Heinrich:
Sei froh, dass du nicht Joghurt heißt.
Vom komischen Kauz zum Rabenvater

Satyr-Verlag, 2016,
ISBN 9783944035710

Faszination Allgäu 2014

„Es gibt in Deutschland keine IHK-Ausbildung für Kabarettisten, aber die Bankausbildung kommt dem am nächsten“ – so begründet Maxi Schafroth, warum er trotz Bankausbildung Kabarettist geworden ist. Neben seiner Banklehre ist das Allgäu das zentrale Thema seiner Texte und Lieder. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass sein Bühnenprogramm „Faszination Allgäu 2014“ heißt. Dabei kann Schafroth genauso eloquent über den Milchpreis sinnieren wie über Delphintherapie mit Jungvieh.

Seine Texte und Lieder sind ganz unterschiedlich gestrickt. Da schlüpft Schafroth in die Rolle des Regionalpolitikers, der kaum dass die Delphintherapie in Allgäus Güllegruben gescheitert ist, zur Jungvieh-Therapie umschwenkt und ausführlich seine Pläne erklärt. Dann gibt es Silke und Jörn, die ganz im Gegensatz zum Allgäuer Restepfännle, in dem alles verwertet wird, was eben so übrig ist, der Molekularküche anhängen. Und zwischendurch locken immer mal wieder Lieder das Programm auf. Da geht es schon auch mal darum, wie man gemeinsam sparsam sein kann oder eben um Gisela, die typische Allgäuerin.

So wirkt Schafroth wie eine Mischung aus Christoph Sonntag und Wolle Kriwanek. Schön ist, dass es sich bei den CDs um Live-Aufnahmen vom Schlachthof München handelt – denn ein Teil seines Programms ist auch von den Reaktionen des Publikums abhängig – und Schafroth bezieht seine Zuschauer gerne mit ein.

Über die Querköpfe des Deutschlandfunks bin ich auf Maxi Schafroth gestoßen. Im Nachhinein war ich von den CDs ein wenig enttäuscht – die besten Nummern kannte ich eben schon von den Querköpfen. Dennoch: „Faszination Allgäu 2014“ lohnt sich zu kaufen.

Maxi Schafroth: Faszination Allgäu 2014
live im Schlachthof München
Wortart 2014, 2CDs, ISBN 9783837131314

Die ganze Wahrheit

Tastenkabarett – so nennt Axel Pätz selbst sein Kabarettprogramm. Auf der CD „Die ganze Wahrheit“ sind Lieder ganz unterschiedlicher Couleur versammelt. Da geht es zum einen um die alltäglichen Triebe vom Essen („Ich hab Hunger und Durst – ich will Cola und Wurst“), zum anderen aber um die weniger alltäglichen Triebe, wenn Axel Pätz singt: „Wollten Sie nicht längst mal wen erschießen? Leg’n Sie doch mal einfach jemand um“. Da wirken die Lieder von Pätz wie Moritaten der Weimarer Republik: Mein Lieblingslied ist das zünftig mit Akkordeonbegleitung vorgetragene Lied vom „Baby im Gefrierfach“, ein ganz und gar makabres Lied, in das auch die Rechtfertigung vor dem Richter eingebunden ist.

Dagegen wirken die Lieder über den Einkauf bei IKEA oder über das Geburtstrauma eher seicht und man kann sich nur wundern, wie innig sie Pätz vorträgt. Für Pätz scheint es kein Widerspruch zu sein, dass groteske Lieder neben einfachen Liedern  stehen wie „Leben ist schön“, die ohne jegliche Tiefsinnigkeiten auskommen. Unterhaltsam sind die zwölf Lieder auf der CD allemal.

Axel Pätz:
Die ganze Wahrheit

Tastenkabarett-Lieder, 2010

Wiener Kabarett

Vier Spotlichter auf das Wiener Kabarett vermag diese Sammlung mit 4 CDs zu geben.
Auf der ersten CD sind Auszuge aus den so genannten Doppel-Conférencen von Karl Farkas mit Ernst Waldbrunn zu hören. Die Texte sind in der Regel sehr knapp gehalten, überwiegend sind es Sprachspiele und Wortwitze, die zum Teil heute noch radiotauglich wären.

Weniger radiotauglich sind die jüdischen Witze, die Fritz Muliar auf der zweiten CD erzählt. Zum Teil ist die Tonqualität der Aufnahme sehr schlecht, auch werden jiddische Begriffe nur sehr selten erklärt.

Schlichtweg langweilig fand ich die „Alpenländischen Erfindungen von und mit Otto Grünmandl“ – eine ganze CD, auf der sinnlose Erfindungen vorgestellt werden – das verliert sehr bald seinen Reiz.

Am unterhaltsamsten ist „Hackl vorm Kreuz“, das Programm des Trios Gerhard Bronner, Carl Merz und Helmut Qualtinger. Lieder wechseln mit Texten ab, Politisches mit Alltäglichem.

Wer sich für das Kabarett der 60er Jahre interessiert, für den ist diese Sammlung das Richtige – ansonsten ist sie für heutige Ohren doch recht tröge. Denn es ist keineswegs ein „Best of“, sondern schlichtweg ein kurzes Spotlight. Sehr hilfreich ist dabei das knapp 20-seitige Booklet, indem auf die einzelnen Künstler eingegangen wird.

Wiener Kabarett
4 CDs 

Membran Music 2006,
ASIN 4011222236692