Waldmeister

Die Krimi-Schriftstellerin Franziska Stratmann kommt mit ihrem neuen Krimi nicht weiter und will deshalb ein paar Informationen über die Polizeiarbeit. Doch noch während sie mit Kommissar Ansgar Lutz redet, kommt ein Mordfall rein – und Franziska Stratmann darf direkt mit an den Tatort. Eine skelettierte Hand wurde gefunden und ein Leichnam, dem allerdings keine Hand fehlt  …

Das ist die durch und durch spannende Ausgangslage von Susanne Lieders Krimi „Waldmeister“. Aber dies bleibt auch über lange Strecken das einzige, was spannend ist. Wie man dem Cover schon entnehmen kann, versucht Susanne Lieder lustig zu sein. Allerdings bleibt es bei dem Versuch. Denn es ist nicht witzig, wenn ständig Namen verwechselt werden (Frau Schwarz? Frau Weiß?), die Krimi-Schriftstellerin ständig tollpatschig ist, ständig ohnmächtig wird (oder sich so fühlt) und einen Sachbuchautoren als ihren persönlichen Feind bekämpft. Dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass gleich zwei Autoren in die Ermittlungsarbeit der Polizei einbezogen werden, ist da noch vergleichsweise verkraftbar. Durch allerlei allzu langweilige Dialoge plätschert dieser Krimi seitenweise nur so vor sich hin, das Ende ist absehbar. Kein Lesevergnügen.

Susanne Lieder:
Waldmeister

SiebenVerlag,
ISBN 9783864433818

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Sautanz

Ein herzensguter Ehemann, der alles andere als seiner Frau treu ist, überforderte Polizisten, die alles andere tun als ermitteln, eine bildschöne Sekretärin, die alles andere macht als zu arbeiten – in ihrem Krimi „Sautanz“ bietet die österreichische Autorin Veronika A. Grager ein Spektrum an Personen auf, das bunter kaum sein könnte.

Dazu kommt noch das ungleiche Ermittlerpaar Dorli und Lupo: Lupo, der alles andere als erfolgreiche Privatdetektiv, und Dorli, die „wilde“ Dorli, die Powerfrau, die so gar nicht auf den Mund gefallen ist. Dass Lupo, ein Kavalier der alten Schule, ein Auge auf Dorli geworfen hat, macht ihre Zusammenarbeit nicht gerade einfacher. Ausgerechnet zu ihnen wird eine Leiche im Neusiedler See geschwemmt.

Weil die Bauchwunde des Toten so gar nicht auf den natürlichen Tod hinweist, den die nicht ganz so arbeitseifrigen Polizisten sofort attestieren, beginnen die beiden zu ermitteln. Dabei unterhalten sie sich in ihrem österreichischen Dialekt, weshalb dem Buch ein Glossar angehängt ist, das dem nichtösterreichischen Leser Wörter wie Gfraster (Gauner), Hawara (Freund) oder Gschrapperln (Kinder) erklärt.

Wer einen „harmlosen“ Regionalkrimi erwartet, wird allerdings enttäuscht: Bei Veronika A. Grager gibt es neben den handelsüblichen Motiven wie unerfüllte Liebe, Eifersucht, Rache und Gier noch Selbstmord, Abtreibung, Menschenhandel, einen dubiosen Schönheitschirurgen und eine mafiöse Familie … Provinziell geht es allenfalls bei der Polizei zu. Kein Wunder, dass Lupo und Dorli zunächst einmal ziemlich lange im Dunkeln tappen. Nur langsam lichtet sich der Nebel und manch falsche Fährte lässt sich erkennen.

Das ist für den Lesefluss allerdings nicht weiter schlimm – schließlich lernt man in der Zeit Lupo und Dorli näher kennen mit all ihren Eigenheiten. Und eine ordentliche Prise Humor (manchmal ist der auch ordentlich schwarz) ist auch vorhanden. Wer eine streng durchkomponierte, in sich überzeugende Krimihandlung will, wird von „Sautanz“ vielleicht etwas enttäuscht sein. Wer aber von einem Krimi auch erwartet, gut unterhalten zu werden, für den ist dieses „Schlachtfest“ absolut richtig!

Veronika A. Grager:
Sautanz,

emons Kriminalroman,
ISBN 9783954512621