Auf dich abgesehen

Bei Robert läuft alles. Bis er eines Abends sein Handy liegen lässt und jemand damit ein Foto postet, das eine Beziehung auseinanderbringt. Die Hetzjagd auf Robert beginnt. Ein typisches Jugendbuch zum Thema Mobbing also.

Allerdings eines, das mit heißer Nadel gestrickt ist. Die Handlung ist stellenweise ziemlich abstrus. Nicht nur, dass Robert in keinem Moment das Posting löschen will, zugleich wird er später von der Polizei als „Amokläufer auf der Flucht“ gesucht, was in allen Zeitungen stehen soll. Das ist nicht nur Übertreibung, das ist Unsinn! Genervt hat mich auch, dass fast alle Kommentare zu Roberts Posting mit Rechtschreibfehlern versehen sind – als ob Mobber per se kein Deutsch können.

Dabei hat mir der Anfang des Buches recht gut gefallen. Robert ist ein sympathischer Typ, fast schon ein Kumpeltyp. Alles andere als ein Mobbing-Opfer, keineswegs ein Außenseiter. Auch schöne sprachliche Bilder gibt es. So spricht Robert vom Riss in der Realität, steht da „wie festgetackert“. Dass er rückblickend seine Geschichte erzählt, macht die Ereignisse zunächst sehr glaubhaft. Aber leider eben nur zunächst. Schade drum!

Daniel Höra:
Auf dich abgesehen

Carlsen Clips, 2015,
ISBN 9783551313539

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Opferland

Ein klein wenig pathetisch klingt er schon, der Titel von Bettina Obrechts neuem Buch: Opferland – Wenn die anderen dich kaputt machen. Doch pathetisch ist der Inhalt keineswegs. Es ist eine feinfühlige Geschichte, die Bettina Obrecht erzählt. Eine Geschichte, deren Hauptperson ein Junge namens Cedric ist. Und Cedric scheint das klassische Mobbing-Opfer zu sein: Einer, der sich nicht wehrt, der irgendwann dann ausrastet, weshalb Lehrer ihn schnell für ein Problemkind halten.

Auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt Bettina Obrecht aus Cedrics Leben: die vielen Schulwechsel, die doch nichts bringen, die Lehrer, die so gar kein Händchen für den Jungen haben. Die Schulpsychologen, die so gar nichts ausrichten können. Die Eltern, die hinter ihrem Jungen stehen, und dennoch hilflos zusehen müssen, wie sein Hass auf die Schule(n) immer mehr wächst. Als der Lehrer der Film-AG einen Film über das Thema Mobbing vorschlägt, gehen bei dem 15-jährigen Cedric alle Alarmlampen an. Denn ausgerechnet Cedric soll die Hauptrolle, das Mobbing-Opfer, speilen.

Was mich an dem Buch am meisten fasziniert hat, ist wie man als Leser gezwungen ist, zwischen den Zeilen zu lesen. Von den Wunden Cedrics zum Beispiel, die immer wieder aufbrechen, ihn prägen. Von der Verschlossenheit, die immer mehr Besitz von ihm ergreift. Klein, grau, matt, farblos – so sieht sich Cedric selbst. Und fast schon schuldbewusst fragt er sich: Warum passiert mir das immer?

Auf diese Frage gibt Bettina Obrecht keine Antwort. Wohl aber hat das Buch einen positiven Schluss: Cedric, so scheint es, hat es am Schluss geschafft. Mit echten Freunden, die zu ihm halten.

Ein lesenswertes Buch!

Bettina Obrecht:
Opferland.
Wenn die anderen dich kaputt machen
cbj-Verlag, 2014,
ISBN 9783570402481

Der Tag wird kommen

„Der Tag wird kommen“ von Nina Vogt- Østli ist ein Buch, das mich gespalten zurückgelassen hat. Es beginnt als Buch über Mobbing, verändert sich aber im Laufe der Handlung immer mehr zu einem Buch, das nach Herkunft und Ursache des Bösen fragt.

Zunächst geht es um Hans Petter, einen Achtklässler, der von einem Mitschüler namens Andreas gemobbt wird – die Erinnerungen an die letzten Wochen in der Grundschule kommen wieder hoch, als Hans Petter von Andreas täglich gequält wurde. Und Hans Petter kramt die daraus entstandenen Überlebensstrategien wieder hervor. Aber nicht nur deshalb macht Hans Petter die Schule keinen Spaß, er ist außerdem hochbegabt. Gelernt hat er in der Schule, nur das Nötigste zu tun. Natürlich hält er sich für intelligenter als seine Lehrer.

Doch die Handlung entwickelt sich anders als erwartet: Hans Petter wird plötzlich (so viel sei verraten) zum Verbündeten von Andreas – oder eben umgekehrt. Gemeinsam beschließen sie, einen der Lehrer fertigzumachen. Und dann gibt es da noch Fera, die ominöse Chatpartnerin aus der Zukunft, die am Schluss noch eine ordentliche Überraschung parat hat.

Mit seinen überraschenden Wendungen hat mir das Buch gut gefallen, wobei manches etwas konstruiert ist. Schade ist, dass die Handlung am Anfang nur sehr langsam in Gang kommt und zum Schluss hin rasant an Geschwindigkeit gewinnt, wo man sich deutlich mehr Ausführungen darüber wünscht, wie die Verbrüderung mit Andreas vonstatten geht. Nichtsdestotrotz: „Der Tag wird kommen“ ist ein gutes Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt!

Nina Vogt-Østli:
Der Tag wird kommen

Coppenrath-Verlag,
ISBN 9783649613862