Die Akte Elysium

Schon lange ist mir kein so spannendes Jugendbuch in die Finger geraten wie „Die Akte Elysium“. Allerdings auch keines, dessen Handlung so unrealistische Züge hat.

Joe Slatterys Mutter ist tot. Gestorben bei einem Autounfall. Doch bald schon kommen ihm erste Zweifel, dass es wirklich ein Unfall war. Und nach und nach entwickelt sich eine ziemlich spannende Suche nach dem Mörder seiner Mutter, in der es vor ehemaligen KGB-Spionen, der russischen Mafia, falschen Freunden und echten Helfern nur so wimmelt. Nicht zu vergessen: ein Ukrainer, der der Schlüssel zu der ganzen Geschichte sein könnte – wenn er nicht verschwunden wäre. Hinzu kommt eine alte, verwunschene Villa namens „Elysium“, zu Deutsch: Paradies, eine schillernde Ex-Diva und ein Jahrzehnte zurückliegender Mord.

Was mir an dem Buch sehr gefallen hat, ist der Spannungsbogen, der sich bis zum Schluss durchzieht. Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse, neue Gefahren – und Schritt für Schritt tastet man sich an der Seite der Hauptfigur im Dickicht des Geschehens voran. Allerdings muss man als Leser um der Spannung willen in Kauf nehmen, dass sehr viel nicht nur unrealistisch wirkt, sondern zutiefst unrealistisch ist. Da gibt es haufenweise Gangsterbosse und ihre Killer, die Joe (fast) nichts anhaben können und haufenweise glückliche Zufälle, die Joe weiterhelfen. Aber: die Auflösung ist absolut unerwartet.Und ja: der Schluss ist etwas arg schmalzig.

Sympathisch war mir die Hauptperson, Joe Slattery, der ein wenig schlacksig durch die Gegend stiefelt, begleitet von seinem Hund Oz. Er hat etwas von einem Anti-Detektiv, dem nur die Zufälle (und Freunde, die im richtigen Moment zur Stelle sind) helfen können …

Sam Hepburn:
Die Akte Elysium

Carlsen-Verlag 2014,
ISBN 9783551520623

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300 kByte Angst

In diesem Jugendkrimi der Schwarzlichter-Reihe machen sind Bender, Sandro und Mark mit einem Gewalt-Video konfrontiert, das Bender auf seinem Handy entdeckt. Es zeigt, wie zwei Männer ein Mädchen vergewaltigen. Wie kommt es auf Benders Handy? Und wer sind die zwei Männer hinter den Gorillamasken? Und ist das junge Mädchen nicht auf Benders Konzert gewesen?

Die drei beginnen mit ihren Ermittlungen – und gehen dabei ganz unterschiedlich vor. Der eine interessiert sich für die Gründe, weshalb jemand Gewaltfilme dreht und tauscht und will einen Text über Happy Slapping für die Schülerzeitung schreiben, der andere versucht, die Täter zu finden, indem er die Leute kennenlernen will und dreht deshalb selbst einen kleinen Film, zum Tauschen. Wo endet der Spaß, wo beginnt der Ernst? – das ist eine Frage, die man mit diesem Buch diskutieren kann. Auch, weil die drei Hauptpersonen da unterschiedliche Ansichten haben.

Belehrend wirkt das Buch nicht – das wohl vor allem deshalb, weil keine Erwachsenen auftauchen (naja, so gut wie keine …). Die Jungs regeln das unter sich – auch wenn es am Schluss fast schiefgeht …

Boris Koch schreibt flüssig, „jugendgerecht“, wie es so schön heißt. Dennoch: So richtig überzeugt hat mich das Buch nicht. Es wirkt auf mich an manchen Stellen zu konstruiert, zu vorhersehbar, zu gewollt.

Boris Koch:
300 kByte Angst

Gulliver/Beltz und Gelberg
ISBN 9783407740960