Blogtour: An der Bücherbar mit Wolfgang Haupt

wolfganghauptDer österreichische Autor Wolfgang Haupt war zu Gast an der Bücherbar. Von ihm stammt der Kriminalroman „Der algerische Hirte“ (2014). Sein neu erschienener Thriller „Salziges Blut“ ist der Anlass für mein Gespräch mit Wolfgang Haupt an der Bücherbar.

Lieber Wolfgang, willkommen an der Bücherbar. Du wirst uns die Personen aus deinem neuen Thriller „Salziges Blut“ näher vorstellen. Um wen dreht sich die Geschichte?
Um Felix Horvat, einen Personenschützer aus Salzburg und zugleich Migrant aus Serbien; Andrea Birnhofer, Polizistin aus Salzburg; Darius Hermann, Junkie und Mitglied der ehemaligen Gang von Felix Horvat.

Was macht deine Figuren aus? Ich meine, worin unterscheiden sie sich von anderen?
Sie sind etwas unsympathisch. Nein, im Ernst, sie sind normale Menschen ohne Superkräfte und haben einen Charakter mit Ecken und Kanten. Felix ist eine Spur Antiheld, schlägt sich mit dubiosen Geschäften in der Detektei durchs Leben, ist unsicher, ob er eine Beziehung mit der Polizistin Andrea haben will, vergöttert seine Tochter. Das Verhältnis zu seinen Eltern ist mehr als schwierig, verbindet sie doch ein dunkles Geheimnis, das hier nicht verraten sei.
Dagegen verhält sich Andrea Birnhofer noch relativ normal. Sie ist eine junge aufstrebende Frau, die zum LKA will und sich mit ihrer Rolle als „normale“ Polizistin nur schwer anfreunden kann. Einzig und allein ihr Kollege, der Nowak, rettet ihr zumeist den Tag. Ihre große Schwäche gilt Felix, mit dem sie ein ambivalentes Verhältnis pflegt. Diese Zerrissenheit nagt schwer an ihr und verbindet sich mit ihrem Wunsch, Felix zu helfen, was sie oft in Schwierigkeiten bringt.
Und zuletzt Darius, ein kaputter Junkie und Mitglied von Felix‘ ehemaliger Gang, der sich die Menschen in seiner Umgebung zu eigen macht, weil er eben schwer abhängig ist. Im Grunde seines Herzens ist oder war er einmal ein netter Kerl, aber in Bezug auf Drogen geht er über Leichen. Etwas, das Felix und Andrea im Laufe der Geschichte zu spüren bekommen. 

Wie kommst du zu deinen Figuren?
Ich setze sie aus realen Figuren zusammen und stecke sie in eine Situation, die sie wachsen und sich entwickeln lässt. Dann sehe ich, was sie damit anfangen. Das mag ich am Schreiben, jemand anderes sein zu können, ohne in die Psychiatrie gesteckt zu werden. Der einzige Beruf, in dem eine gespaltene Persönlichkeit durchaus Vorteile bringen kann.

Das heißt, du erlebst beim Schreiben, was sie erleben?
Im Geiste ja. Das Schreiben ist in diesem Moment genauso aufregend wie (hoffentlich) das Lesen. In meinem ersten Buch, dem Algerischen Hirten, war das teilweise sehr arg. Weil sich die Geschichte ja um Krieg, Mord und Folter dreht. Da habe ich dann auch viel Kritik einstecken müssen, weil es einige Leser als sehr brutal empfunden haben. Deshalb habe ich mich in „Salziges Blut“ zurückgenommen und mich nachvollziehbareren Emotionen gewidmet.

Nicht alles in „Salziges Blut“ ist aber nachvollziehbar. Ich denke da vor allem an die häufigen Sinneswandel von Darius, ein wie ich finde ganz unsympathischer Zeitgenosse.
Absolut. Darius tickt auch nicht richtig. Für einen normalen Menschen ist er nur bedingt nachvollziehbar. Für ihn stehen ja Drogen im Fokus. Da geht er über Leichen. Wahrscheinlich deswegen. Ich denke aber, dass es ohne richtige Figuren, also wenigstens einen sympathischen Protagonisten, nicht geht. Die Figuren brauchen Identifikationspotenzial, man muss mit ihnen mitleben können. Aber was ich richtig gerne mag, sind die Psychopathen.

Apropos Psychopathen: In deinem Buch spielen auch psychiatrische Einrichtungen eine Rolle – wie viel Recherche braucht es, um darüber zu schreiben? Oder genügt es dir, sich das vorzustellen?
Also ohne Recherche hätte ich mich nicht an dieses Thema gewagt. Ich bin ja schon zehn Jahre in einer Klinik mit einer großen Psychiatrie tätig. Zwar nicht in der Pflege, habe aber trotzdem Umgang mit psychiatrischen Patienten. Dennoch habe ich mir die Stationen angesehen, ein Interview mit einer Fachärztin geführt und mich eindringlich mit dem Thema beschäftigt. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. 

Eine Frage noch zur Sprache: Der österreichische Dialekt hat es dir angetan, oder? Da ist von der Kieberei die Rede, die Zigarette wird in den Aschenbecher gehackt und an österreichischen Schimpfworten gibt es auch nicht wenige. Gschwerl und Krätzen kann ich mir zusammenreimen – aber was ist die Bedeutung von Ruaß?
Ich musste beim Schreiben ja oft Schmunzeln, weil mir aufgefallen ist, wie häufig die Österreicher einen Fluch im Satz verstauen. Und vor allem, wie wir andere beschimpfen. Ruaß ist das Pendant zu Ruß (ja, das schwarze Zeug) und bezeichnet jemanden, der zu arm ist, um sich waschen. Das ist zumindest meine Interpretation. Gemeint ist Abschaum, analog Gschwerl (Geschwür) und Krätzen (die Kretze).

Beim Lesen habe ich an manchen Stellen den österreichischen Dialekt im Ohr gehabt, vor allem, wenn die Figuren sprechen. War das Absicht oder geschieht das einfach so beim Schreiben?
Ich habe mich bemüht, den Dialekt nicht die Überhand gewinnen zu lassen, aber so ganz kann ich mich nicht abstellen. Da gibt es sicher einige Stellen, die mir gar nicht so aufgefallen sind. Beim Korrektorat war es auffällig, weil im Deutschen andere Artikel für gewisse Wörter verwendet werden. Das/der Polster, die/das Cola, etc…das liest sich für einen Deutschen sicher anders wie für einen Österreicher. Ich hatte mir überlegt, ob ich das anmerken soll, damit mich die Leser nicht für einen Analphabeten halten, habe dann aber doch verzichtet. So ist es eben bei uns. Ich denke, das ist Lokalkolorit.

Ein großer Teil des Romans spielt in Salzburg. In deinem Thriller wird erwähnt, dass Felix Salzburg für die „Kloake des Universums“ hält. Steht es um Salzburg wirklich so arg?
Diese Aussage ist eigentlich auf das Wetter bezogen. Als Kloake des Universums hat ein reisender Arzt die Stadt im Mittelalter betitelt. Weil es selbst im Hochsommer wochenlang nieseln und kalt werden kann. Schnürlregen ist ganz eine eigene Form, die ich sonst noch nirgendwo erlebt habe. Das sind ganz dünne, schnurförmige Tropfen, die sich wie unter einer altersschwachen Dusche anfühlen. Das ist kein richtiger Regen, aber trotzdem nass. Das hält sich meist sehr lange und ist richtig unangenehm. Um die Stadt selbst steht es natürlich nicht so schlimm. Man kann dort schon leben.

Dann bin ich beruhigt. Herzlichen Dank für das Gespräch!
Vielen Dank, dass ich hier sein durfte.

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Blogtour zu „Salziges Blut“

Blogtour 1Vorankündigung: Die Blogtour zu Wolfgang Haupts neuem Krimi macht am 5. August hier an der Bücherbar Station –  lasst euch überraschen, was der österreichische Schriftsteller Wolfgang Haupt über sein Buch erzählt. Wer schon jetzt wissen, will, wovon der Krimi „Salziges Blut“ handelt, findet auf der Internetseite von Wolfgang Haupt einige Informationen.