Bonhoeffer und Bethge

Eine „wunderbare Freundschaft“ nennt Wolfgang Seehaber das, was die Theologen Dietrich Bonhoeffer und Eberhard Bethge miteinander verbunden hat. In seinem Buch stellt er die beiden unterschiedlichen Männer gegenüber und zeigt, was ihre Freundschaft ausmachte.

Seehaber erweist sich dabei nicht als großartiger Erzähler, der Geschichte durch Geschichten lebendig werden lässt. Er ist eher der nüchterne Betrachter, der mithilfe der zur Verfügung stehenden Quellen untersucht, was die beiden Theologen so sehr verband, dass sie sich blind vertrauten.

Seehaber macht deutlich, wie wichtig diese Freundschaft gerade in der Zeit der Verfolgung war, wo das Finkenwalder Seminar, das Bonhoeffer leitete, verboten wurde und die Arbeit der Bekennenden Kirche immer mehr im Untergrund stattfand. Seehaber betont stark Bonhoeffers klaren Blick für die politischen Ereignisse, seine klare Positionierung und Standhaftigkeit. Zugleich verdeckt er aber Bonhoeffers Schwächen – wie etwa sein antiquiertes Frauenbild – nicht. Freilich wirkt die Freundschaft zwischen Bonhoeffer und Bethge etwas verklärt (was aber auch daran liegen mag, dass Bonhoeffer dies selbst betrieb), wenn er etwa Bonhoeffer als „Meister“ bezeichnet. Beinahe anrührend hingegen ist die Abwägung zwischen Freundschaft und Liebe, als sowohl Bethge als auch Bonhoeffer sich verlieben.

„Bonhoeffer und Bethge“ ist manchmal etwas mühsam zu lesen, weil Seehaber mehr berichtet als dass er erzählt – seine wichtigen Aussagen wiederholt er dabei doppelt und dreifach, zum Teil auch gegen die Chronologie der Ereignisse. Manches wirkt wie eine Fleißarbeit, zum Beispiel wenn im ersten Kapitel des Buches alle Freundschaften Bonhoeffers präsentiert und analysiert werden. Durch vielen erwähnten Namen machen das Buch etwas unübersichtlich. Zugleich gelingt es Seehaber aber, die Kirchengeschichte des Dritten Reiches immer wieder in sein Buch einzuflechten und so die Sorgen und Nöte Bonhoeffers, aber auch seine Bedeutung für uns aufgrund seiner Aufrichtigkeit aufzuzeigen.

Trotz des eher analytischen Stils gelingt es Seehaber, die Personen lebendig werden zu lassen. Bonhoeffer, der Spross einer bürgerlichen Familie, gibt Unsummen für Telegramme und Briefe nachhause aus. Bethge, der schlechte Schüler, aus dem ein guter Handwerker hätte werden können, wird nur deshalb Pfarrer, weil er es als Verpflichtung gegenüber seinem Vater sieht. Zwei unterschiedliche Männer, die aufeinander angewiesen und verbunden waren in einer „unfasslichen Zuneigung“.


Wolfgang Seehaber:
Bonhoeffer und Bethge
Das Porträt einer wunderbaren Freundschaft
fontis-Verlag 2016, ISBN 9783038480952

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Inglourious Basterds

Gestern mal wieder Inglourious Basterds angeschaut. Und wieder war ich fasziniert davon, wie sehr dieser Film die Geschichte gegen den Strich bürstet, eine Geschichte schafft, die mehr fragt, als „was wäre, wenn …“.

Denn: Es geht um Bilder. Um Bilder, die da sind, und um Bilder, die geschaffen werden. Was da ist, ist unser Bild vom Nationalsozialismus. Unsere Voreinstellungen – die klassischen Filmbilder, die uns den Nationalsozialismus erklären, zum Beispiel Hitlers Reden, sein Tonfall, seine ausladende Gestik.

Und es geht um Gegenbilder, um einen Bauernhof, der einsam in der Landschaft steht. Um einen  Bauern, der Juden versteckt. Um eine gestörte Idylle. Es wird der Judenjäger inszeniert, der Juden dort sucht, wo Ratten sich eben verstecken würden. Und dann entsteht Stück für Stück das Gegenbild: die Nazi-Jäger, die Nazi-Skalps sammeln.

Bis dann ein Roadmovie á la Tarantino beginnt, das bis zum Showdown geht. Mit Nachklapp.

Tarantino will nicht einfach die Frage stellen, was gewesen wäre, wenn es vielleicht wirklich schlagkräftige jüdische Widerstandsgruppen gegeben hätte. Der Film inszeniert sie vielmehr auf der Folie der Nazis. Das will den jüdischen Widerstand weder auf- nach abwerten. Es ist einfach so, weil Tarantino es so will. Und das will er so, weil er daran eine Geschichte spinnen kann, die vielerlei Wendungen hat. Von Shosanna, dem jüdischen Mädchen, deren Familie von dem Nazi Landau umgebracht wird, und die dann als Kinobesitzerin die Möglichkeit zur Rache hat, bis zu dem Nazi, der die Gunst der Stunde nutzen will und seine Schäfchen ins Trockene zu bringen sucht.

In der Rezension der FAZ hieß es, es seien triviale Bösewichter dargestellt – wenn man sich anschaut, an welchen Filmstellen Hitler bei der Premiere von „Stolz der Nation“ lacht, kann man dem nur zustimmen.  Was bleibt ist am Schluss die Frage: Wer sind den nun die inglourious basterds?

Inglourious Basterds,
Regie: Quentin Tarantino

Erscheinungsjahr: 2009