Inglourious Basterds

Gestern mal wieder Inglourious Basterds angeschaut. Und wieder war ich fasziniert davon, wie sehr dieser Film die Geschichte gegen den Strich bürstet, eine Geschichte schafft, die mehr fragt, als „was wäre, wenn …“.

Denn: Es geht um Bilder. Um Bilder, die da sind, und um Bilder, die geschaffen werden. Was da ist, ist unser Bild vom Nationalsozialismus. Unsere Voreinstellungen – die klassischen Filmbilder, die uns den Nationalsozialismus erklären, zum Beispiel Hitlers Reden, sein Tonfall, seine ausladende Gestik.

Und es geht um Gegenbilder, um einen Bauernhof, der einsam in der Landschaft steht. Um einen  Bauern, der Juden versteckt. Um eine gestörte Idylle. Es wird der Judenjäger inszeniert, der Juden dort sucht, wo Ratten sich eben verstecken würden. Und dann entsteht Stück für Stück das Gegenbild: die Nazi-Jäger, die Nazi-Skalps sammeln.

Bis dann ein Roadmovie á la Tarantino beginnt, das bis zum Showdown geht. Mit Nachklapp.

Tarantino will nicht einfach die Frage stellen, was gewesen wäre, wenn es vielleicht wirklich schlagkräftige jüdische Widerstandsgruppen gegeben hätte. Der Film inszeniert sie vielmehr auf der Folie der Nazis. Das will den jüdischen Widerstand weder auf- nach abwerten. Es ist einfach so, weil Tarantino es so will. Und das will er so, weil er daran eine Geschichte spinnen kann, die vielerlei Wendungen hat. Von Shosanna, dem jüdischen Mädchen, deren Familie von dem Nazi Landau umgebracht wird, und die dann als Kinobesitzerin die Möglichkeit zur Rache hat, bis zu dem Nazi, der die Gunst der Stunde nutzen will und seine Schäfchen ins Trockene zu bringen sucht.

In der Rezension der FAZ hieß es, es seien triviale Bösewichter dargestellt – wenn man sich anschaut, an welchen Filmstellen Hitler bei der Premiere von „Stolz der Nation“ lacht, kann man dem nur zustimmen.  Was bleibt ist am Schluss die Frage: Wer sind den nun die inglourious basterds?

Inglourious Basterds,
Regie: Quentin Tarantino

Erscheinungsjahr: 2009