Wir leben im Nordlicht

Acht Kurzgeschichten sind in dem Band „Wir leben im Nordlicht“ von Cornelia Travnicek versammelt. Die acht Kurzgeschichten sind zum Teil bereits in dem vergriffenen Band „Aurora Borealis“ erschienen und so wieder als ebook zugänglich.

In verdichteter Sprache, wie es sich für Kurzprosa gehört, werden Themen rund um das Miteinander behandelt. Da gibt es das Paar, das als eigener Kosmos lebt, es scheint im Nordlicht hängen geblieben zu sein. Die Welt als Mikrokosmos wird auch bei den zwei Studentinnen sichtbar, die in innerer und äußerer Harmonie miteinander leben, bis die Symbiose gestört wird. Gestörte und verstörende Beziehungsgeflechte gibt es zuhauf: bei dem jungen Mädchen, das von ihrer Mutter am Strand zurückgelassen wird, bei dem Mann, der scheinbar unbeteiligt am Rand einer Beerdigung steht, bei dem jungen Mann, der die Enge der elterlichen Wohnung nicht mehr ertragen kann. Hinzu kommen traurige Geschichten, wie die von dem Mann, der seine eigene Frau nicht mehr erkennt und von der Bushaltestelle erst wieder von ihr nachhause gebracht werden muss.

Cornelia Travnicek spielt dabei immer wieder geschickt mit Motiven. Licht, Schatten, Dunkelheit werden eingesetzt, um Stimmungen und Gefühle zu verdeutlichen – freilich ohne dass allzu einfache Übertragungen möglich sind. Die Texte von Cornelia Travnicek kann man, so kurz sie auch sind, mehrmals hintereinander lesen und entdeckt doch wieder Neues. Ihre Texte wirken manchmal verspielt und humorvoll, manchmal emotional und berührend, manchmal melancholisch und traurig.
So soll Kurzprosa sein.

Cornelia Travnicek:
Wir leben im Nordlicht

Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) 2014,
ebook,
ISBN 9783641133344