Vaters unbekanntes Land

Die Idee des kretischen Labyrinths hat mich an Bernhard Stäbers Kriminalroman „Vaters unbekanntes Land“ fasziniert. Da drapiert ein Mörder den Kopf seines Opfers in der Mitte von einer Labyrinth-Installation in einer Ausstellung von Kunststudenten. Und ausgerechnet Arne Eriksen, ein Deutscher mit norwegischen Wurzeln, soll bei den Ermittlungen zu diesem Mordfall helfen, der selbst gerade erst Hals über Kopf Deutschland verlassen hat, um auszuspannen und erst einmal alles hinter sich zu lassen.

Wie es der Zufall so will: Arne trifft auf die Polizistin Kari, die in dem Mordfall ermittelt und die Polizeipsychologen sind nicht einsatzbereit. So wird aus dem Berliner Psychologen Arne und der norwegischen Polizistin Kari ein gutes Ermittler-Gespann. Da es sich bei dem Toten um den Sohn des Zeitungsmagnaten Tverdal handelt, gestalten sich die Ermittlungen alles andere als einfach.

Erst als ein weiterer Sohn Tverdals ermordet wird, kommt Bewegung in den Fall und aus dem sich eher langsam entwickelnden Kriminalroman wird zum Ende hin tatsächlich doch noch ein Thriller. Bernhard Stäber lässt seine Protagonisten langsam in den Fall hineinwachsen und nimmt den Leser so mit auf die Reise nach Norwegen.

Er hat sich dabei viel vorgenommen: ein ermittelnder Psychologe, der selbst eine therapeutische Behandlung braucht, Arnes Vorgeschichte, ein Ausflug nach Nordnorwegen ins Gebiet der Samen. Da bleibt es nicht aus, dass manches etwas zu kurz kommt, wie zum Beispiel die sehr kurze Kurztherapie von Arne oder der grantelnde Vorgesetzte von Kari, der doch etwas schemenhaft bleibt wie auch die anderen ermittelnden Polizeibeamte.

Fazit: ein spannender Krimi, der langsam beginnt und rasant endet.

Bernhard Stäber:
Vaters unbekanntes Land

Lyx/Egmont-Verlag,
ISBN 9783802595790

Der norwegische Gast

Ein Zug verunglückt, knapp 200 Passagiere müssen in einem nahegelegenen Hotel im norwegischen Bergdorf Finse notdürftig unterkommen. Durch einen schweren Sturm sind sie von der Außenwelt abgeschnitten und warten auf ihre Evakuierung.

Die Reisenden auf dem Weg nach Bergen hatten Glück im Unglück – nur der Lokführer starb bei der Entgleisung des Zuges. Doch dann geschieht im Hotel Mord um Mord.

Die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen ist auch in dem Zug und versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Dabei ist sie alles andere als eine Powerfrau: nach einem Schusswechsel sitzt sie im Rollstuhl, und besonders gewieft wirkt sie anfangs so gar nicht. Im zweiten Teil macht sie dies jedoch durch zahlreiche analytische Gedankengänge wieder etwas wett … Freilich wirkt sie dadurch auch kühl und unnahbar.

Motive gibt es zunächst einmal so gut wie gar keine: die Reisenden gehören zu ganz unterschiedlichen Gruppen: da gibt es die Staatskirchenkommission, den Ausreißer, zudem noch geheimnisvolle Mitfahrer in einem extra angehängten Waggon – sind es wirklich Mitglieder der norwegischen Königsfamilie, wie es manche Mitreisende zu wissen glauben? Gier und Verrat, wie es einer der Ermordeten behauptet hat  – sind das wirklich die Motive der Morde?

Als Buch mag das Buch vielleicht etwas langatmig wirken, weil die Handlung im Hotel sehr gering ist. Jedoch wirken die verschiedenen Personen, die im Hotel unfreiwillig zusammenwohnen, so lebendig, dass sie die fehlende Handlung gut wettmachen.

Ein spannendes Hörbuch, dessen Schluss wie ein Miss-Marple-Film wirkt, wenn Hanne Wilhelmsen den Fall vor allen Anwesenden Stück für Stück aufklärt.

Anne Holt:
Der norwegische Gast,
Sprecher: Ulrike Grote, 386 Minuten, HörbuchHamburg, Piper