Salziges Blut

Als Andrea, von Beruf Polizistin, zu einer mit Säure verätzten Leiche gerufen wird, fällt ihr sofort die eintätowierte Fünf auf. Eine Fünf, die auch ihr Freund Felix als Tätowierung hat. Zufall? Wohl kaum. So eine Jugendgang, längst vorbei, wiegelt Felix ab. Doch mit einem Mal gerät Felix‘ Leben völlig aus den Fugen. Während er noch herausfinden will, welcher seiner Freunde das Opfer sein könnte, schlittert er immer mehr in eine Geschichte aus Drogen, Macht und Verrat. Doch was hat dies alles mit seiner Jugendzeit zu tun? Und was weiß Darius, Mitglied der „Gang of Five“, ein Junkie auf Pervitin?

Aus verschiedenen Perspektiven wird die Handlung vorangetrieben, bis es am Schluss in Serbien zum Showdown kommt. Ein actionreiches Ende, so viel sei verraten, das mit sehr, sehr zufälligen Zufällen aufwartet.

Was Wolfgang Haupts Krimis und Thriller ausmacht, ist neben der geschickten Anordnung der Erzählebenen des Plots die Versiertheit seiner Sprache. Nicht nur der österreichische Dialekt macht das Buch lesenswert – Schimpfworte wie Ruaß, Gschwerl oder Krätzen, Ausrufe wie „Dem Ärgste, Oida“ gehören einfach dazu. Es ist vor allem das Talent von Haupt, durch Sprache Spannung zu erzeugen. Bereits der Fund der Leiche zu Beginn des Buches wird beschrieben, als gehe es um Leben und Tod. Haupt kann genau beschreiben und er kann intensiv beschreiben.

Dazu kommt auch noch eine gehörige Portion Humor. Kostprobe gefällig? Bitte sehr: Zitat. Alles in allem also ist „Salziges Blut“ absolut lesenswert!!!

Wolfgang Haupt:
Salziges Blut. Thriller

Midnight bei Ullstein,
ebook, 2015,
ISBN 9783958190399

Sautanz

Ein herzensguter Ehemann, der alles andere als seiner Frau treu ist, überforderte Polizisten, die alles andere tun als ermitteln, eine bildschöne Sekretärin, die alles andere macht als zu arbeiten – in ihrem Krimi „Sautanz“ bietet die österreichische Autorin Veronika A. Grager ein Spektrum an Personen auf, das bunter kaum sein könnte.

Dazu kommt noch das ungleiche Ermittlerpaar Dorli und Lupo: Lupo, der alles andere als erfolgreiche Privatdetektiv, und Dorli, die „wilde“ Dorli, die Powerfrau, die so gar nicht auf den Mund gefallen ist. Dass Lupo, ein Kavalier der alten Schule, ein Auge auf Dorli geworfen hat, macht ihre Zusammenarbeit nicht gerade einfacher. Ausgerechnet zu ihnen wird eine Leiche im Neusiedler See geschwemmt.

Weil die Bauchwunde des Toten so gar nicht auf den natürlichen Tod hinweist, den die nicht ganz so arbeitseifrigen Polizisten sofort attestieren, beginnen die beiden zu ermitteln. Dabei unterhalten sie sich in ihrem österreichischen Dialekt, weshalb dem Buch ein Glossar angehängt ist, das dem nichtösterreichischen Leser Wörter wie Gfraster (Gauner), Hawara (Freund) oder Gschrapperln (Kinder) erklärt.

Wer einen „harmlosen“ Regionalkrimi erwartet, wird allerdings enttäuscht: Bei Veronika A. Grager gibt es neben den handelsüblichen Motiven wie unerfüllte Liebe, Eifersucht, Rache und Gier noch Selbstmord, Abtreibung, Menschenhandel, einen dubiosen Schönheitschirurgen und eine mafiöse Familie … Provinziell geht es allenfalls bei der Polizei zu. Kein Wunder, dass Lupo und Dorli zunächst einmal ziemlich lange im Dunkeln tappen. Nur langsam lichtet sich der Nebel und manch falsche Fährte lässt sich erkennen.

Das ist für den Lesefluss allerdings nicht weiter schlimm – schließlich lernt man in der Zeit Lupo und Dorli näher kennen mit all ihren Eigenheiten. Und eine ordentliche Prise Humor (manchmal ist der auch ordentlich schwarz) ist auch vorhanden. Wer eine streng durchkomponierte, in sich überzeugende Krimihandlung will, wird von „Sautanz“ vielleicht etwas enttäuscht sein. Wer aber von einem Krimi auch erwartet, gut unterhalten zu werden, für den ist dieses „Schlachtfest“ absolut richtig!

Veronika A. Grager:
Sautanz,

emons Kriminalroman,
ISBN 9783954512621