Dem Kroisleitner sein Vater

Etwas zäh hat er sich schon gegeben, der Krimi „Dem Kroisleitner sein Vater„. Was vor allem daran liegt, dass Martin Schult von allem etwas zu viel hineingegeben hat. Nicht nur, dass der Ort Sankt Margarethen in der Steiermark von den sieben Plagen überzogen wird (Fliegen, Krähen, Marder, Füchse und so weiter), nein es gibt zudem verhexte Bäume, der Leibhaftige erscheint und dann gibt es da noch die Sage vom Toten Mann. Der Tote Mann, das ist der Ort in den Bergen oberhalb St. Margarethens, wo der 104-jährige Alois Kroisleitner tot aufgefunden wird. Ermordet, wie sich bald herausstellt.

Das bringt natürlich den ganzen Ort in Wallung, denn Kroisleitner war so etwas wie die graue Eminenz des Dorfes. Und Kroisleitner hat ein paar Geheimnisse mit in sein Grab genommen, die nach und nach offenbart werden. Dabei hilft der Berliner Polizist Frassek, der zufällig vor Ort war, als der Mord geschah, tatkräftig mit – glaubt er denn, den österreichischen Ermittlern nicht vertrauen zu können. Tatkräftig unterstützt wird er noch von einem Kollegen – Martin Schult scheint Geschichten mit viel Personal zu lieben. Mir waren es deutlich zu viele Personen, die mit ihren Geschichten in den Roman hineingewoben sind. Nicht nur die Dorfbewohner, die dann noch Spitz- und Kosenamen haben, sind kaum zu überblicken, hinzu kommen die zahlreichen Ermittler und dazu noch jede Menge Wiener Pensionsgäste, die man zumindest teilweise auch namentlich kennenlernt. Warum auch immer. Ach ja, und eine Sängerin, die für tot erklärt wurde, damit man das Karriere-Ende finanziell ausschlachten kann, kehrt auch an ihren Heimatort zurück.

Für mich ist das alles zu viel des Guten. Die einzelnen Handlungsstränge stehen sich bald schon gegenseitig auf den Füßen. Die Handlung springt ziemlich schnell zwischen den einzelnen Personen hin und her, verfranst sich und wird sehr verworren, auch weil immer mehr Details aus der Nachkriegszeit eine Rolle zu spielen scheinen.

Nicht besonders hilfreich ist das Personenverzeichnis, das am Anfang des Buches tatsächlich vorhanden ist. Was aber hilft es einem beim Lesen, wenn als Erklärung zur Person so etwas steht wie „findet nicht, was er gesucht hat“?

Mir zumindest ist es bei dem wuchtigen Personenkarussell, das sich in „Dem Kroisleitner sein Vater“ auftut, irgendwann egal gewesen, wer nun dem Kroisleitner sein Vater auf dem Gewissen hat.

Martin Schult: 
Dem Kroisleitner sein Vater
Kriminalroman
Ullstein-Verlag 2017 
ISBN 9783550081743

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