Olive Kitteridge (DVD)

Olive Kitteridge“ – über diese Miniserie über die gleichnamige Frau bin ich zufällig gestolpert – und bin absolut fasziniert davon. In kleinen Episoden (Gesamtlänge: 230 Minuten) wird das Leben der pensionierten Mathematiklehrerin beleuchtet. Dabei gelingt es dem Film, eine Frau, die unnahbar ist, Gefühle nicht zulässt, Pflicht als oberste Tugend sieht, in all ihrer Brüchigkeit lebendig werden zu lassen.

Man könnte sagen, Olive Kitteridge ist eine alte, böse Frau geworden. Doch das passt nicht, denn Olive ist nicht erst im Alter streng und zynisch geworden. Sie wirkt vielmehr so, als ob sie noch nie im Leben ein bisschen Mitleid für andere empfunden hat. Und so passt sie gut in die Landschaft, in die sie hineingeboren wurde: an der rauen See ist das einzige Vergnügen, das sie hat, sich um ihre Pflanzen zu kümmern. Die Tulpen sind ihr ein und alles – keine davon würde sie abschneiden und gar verschenken.

Es ist – neben der brillanten schauspielerischen Leistung von Frances McDormand als Olive Kitteridge – diese Bildsprache, die die Miniserie so sehenswert macht. Es sind komponierte Bilder, die mehr zeigen als die Personen sagen können.

Vorlage des Films ist der gleichnamige Roman von Elizabeth Strout. Allerdings hat die Regisseurin Lisa Cholodenko die Handlung ziemlich zusammengestampft und sich auf einen zentralen Handlungsstrang konzentriert: das Leben von Olive Kitteridge. Die Frage, die man sich als Zuschauer immer wieder stellt ist die: Was treibt diese Frau an? Man kann nicht in sie hineinsehen. Man kann nicht einmal über sie sagen, dass sie verbittert ist – auch wenn sie immer wieder so wirkt. Sie lebt ihr Leben, weil es eben zu leben ist. Sie führt ihre Ehe fort bis zum Tod ihres Ehemanns, weil sie ihn eben geheiratet hat. Basta. Sie scheint nicht um ihren Mann zu trauern, seinen Tod nimmt sie eben hin. Doch immer wieder gerät ihre Festung ins Wanken, durch ihren liebevollen, gutmütigen Mann, aber vor allem in der Auseinandersetzung mit ihrem Sohn. Da bringt ihr Mann ihr einen Strauß Blumen mit, mit einer Karte, um sie zu überraschen – und Olive liest die Karte, bedankt sich und gibt ihm den Strauß wieder. Man weiß nicht: kann Olive nicht würdigen, was ihr Mann für sie tut oder gefällt ihr diese Art von Geschenk nicht? Auch wenn Olive später ihren Sohn besucht, fällt es einem schwer zu unterscheiden, wo sie sich einfach nicht beherrschen kann und wo sie ganz bewusst sticheln will. Olive bleibt immer etwas rätselhaft.

Wenn man ihre Reaktion nachvollziehen kann, kann man herzhaft über Olives bissige Kommentare lachen, etwa beim gespielten Beileid nach dem Tod von Olives Ehemann und spürt die erfrischende Direktheit, die andere vor den Kopf stößt. Ist man dagegen eher auf der Seite des Sohnes, der dabei ist, seine Kindheit und Jugend zu verarbeiten, bleibt einem nichts anderes als den Kopf zu schütteln über eine Olive, die nichts, aber auch gar nichts aus ihren Fehlern gelernt hat und nicht in der Lage ist, auf andere zuzugehen. Und wenn Olive plötzlich intuitiv handelt, einfach hilft, ohne auf Befindlichkeiten zu achten, ist man einfach nur überrascht von dieser Olive.

 


Olive Kitteridge
Regie: Lisa Cholodenko
Warner Home Video 2015

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