Vielen Dank für nichts (DVD)

Durch einen Snowboard-Unfall sitzt Valentin im Rollstuhl. Weil der 17-Jährige mit seiner Situation so gar nicht zurechtkommt, zwingt seine Mutter ihn, an einem Theaterprojekt in einem Heim für Behinderte mitzumachen.

Nach anfänglicher Abneigung freundet sich Valentin immer mehr mit seiner neuen Situation und mit dem Theaterprojekt an – was vor allem an der Pflegerin Mira liegt, in die sich Valentin heillos verliebt. Doch da Mira einen Freund hat, sieht sich Valentin zu einem großen Liebesbeweis gezwungen.  Nur so viel sei verraten: es endet mit zweieinhalb Jahren Haft auf Bewährung…

Vielen Dank für nichts“ ist eine unverkrampfte Komödie mit einem jungen Hauptdarsteller (genial gespielt von Joel Basman), den man zunächst als Rebellen kennenlernt. Mit seiner Behinderung kommt er nicht zurecht. Also legt er sich mit allem und jedem an. Seine Mutter ist davon überfordert und ist froh, ihn für eine Weile in das Theaterprojekt in Südtirol schicken zu können. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern fühlt sich Valentin allerdings nicht behindert – und das lässt er sie auch deutlich spüren. Es läuft einem als Zuschauer kalt den Rücken herunter, wenn Valentin sich über die anderen Behinderten lustig macht. Dazu gehören nicht nur seine sarkastischen Kommentare, er bewirft zudem auch noch einen Behinderten mit Essen.  So wirkt Valentin trotz seines Unfalls äußerst unsympathisch auf den Zuschauer.

Dass Laienschauspieler die Behinderten darstellen, lässt die Szenen umso authentischer erscheinen. Zwar kann man verstehen, dass sich Valentin, der sich im Gegensatz zu anderen gut verständigen kann, in der Gruppe fremd fühlt. Aber dass er fast schon gehässig auf die anderen herunterschaut, lässt jedes Mitgefühl verschwinden.

So ist „Vielen Dank für nichts“ keine harmlose Komödie mit einem Hauch „political incorrectness“. Es ist ein Film, der seine Zuschauer auf vielfältige Weise beansprucht. Da ist die zunächst unsympathische Hauptfigur, dann gibt es die behinderten Schauspieler, die nicht immer leicht zu verstehen sind. Schließlich wird zwischendurch Schwyzerdütsch und Italienisch (mit Untertiteln) gesprochen, manchmal noch übertönt von der Musik. Die Handkamera tut dann noch ihr Übriges dazu.

Die Regisseure Stefan Hillebrand und Oliver Paulus haben für die Wandlung von Valentin ausdrucksstarke Bilder gefunden. Am Anfang trägt Valentin mitten im Sommer eine Fellmütze, dann wird er zum versierten Rollstuhlfahrer, der Fußgängern absichtlich in die Hacken fährt, um ihre Reaktion zu testen. Und schließlich ist da am Schluss des Films die Polizei, die größte Schwierigkeiten hat, die drei verhafteten Rollstuhlfahrer ins Polizeipräsidium zu fahren, sodass die Feuerwehr gerufen werden muss.

„Vielen Dank für nichts“ ist eine Komödie, die hin und wieder vor schwarzem Humor trieft, es ist eine Liebesgeschichte, ein Film vom Erwachsenwerden und vom Austesten der Grenzen.

Kurzum: ein gelungener Film.

Vielen Dank für nichts
Regie: Stefan Hillebrand und Oliver Paulus
Camino-Film 2013

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