Jesus war kein Christ und andere überraschende Nachrichten

Für Jefferson Bethke ist die Sache klar: die westliche Kirche sieht die Welt schwarz-weiß, sprich: sie hat verformt, was Jesus wollte – wo es doch wir sind, die sich von Jesus formen lassen sollen. Sein Urteil: „Das westlich geprägte Christentum ist eine seltsame Mischung aus biblischen Lehren und ein paar gnostischen Prinzipien. Das Ganze steht auf dem Fundament moderner Aufklärung und dann hat jemand dem Ganzen noch einen Jesus-Aufkleber verpasst.“ Bethkes Programm also: zurück zum Jesus des 1. Jahrhunderts nach Christus. Weg mit dem sauberen, sterilen Plastik-Jesus.

Mit falschen Vorstellungen von Jesus will Bethke aufräumen. Im Gegensatz zu seinem ersten Buch „Warum ich Religion hasse. Und Jesus liebe“ setzt Bethke in dem Folgeband „Jesus war kein Christ und andere überraschende Nachrichten“ weniger auf Konfrontation und mehr darauf, die „echten“ Glaubensbotschaften zu präsentieren.

Allerdings muss man sagen, dass Bethke zwar evangelikal angehaucht ist (so schreibt er etwa, dass Mose die 5 Bücher Mose verfasst hat), aber vieles von dem, was er an neuen Erkenntnissen präsentiert, in den deutschen Landeskirchen längst angekommen ist und alles andere als neu ist; ja, ich würde sogar sagen, dass Bethke Altbekanntes in neuem Gewand präsentiert. Daher war beim Lesen mein Eindruck, dass Bethke eher für ein evangelikales Publikum schreibt, das er aufwecken will. So kritisiert er in seinem Buch den Kreationismus ebenso wie die Geringschätzung des Alten Testaments.

Was mich an Bethkes Buch grundsätzlich stört, ist seine Neigung, bei den einzelnen Themen, die er in den neun Kapiteln seines Buches aufgreift, immer mal wieder vom Thema abzuweichen. Manches an seinen persönlichen Erfahrungen ist spannend zu lesen, ohne Frage, aber manches ist einfach nicht zielführend. Immer wieder springt Bethke vom einen Thema zum anderen. Beim Thema Abendmahl kommt Bethke auf das Thema der Gemeinschaft, von dort aus zum Thema Internet und Umgang mit Smartphones usw. Und dabei hätte einen durchaus interessiert, wie Bethke sich das Abendmahl vorstellt. Eindrücklich beschreibt er ein Versöhnungsmahl zwischen einem Israeli und einer palästinensischen Familie, fordert dann, dass das kirchliche Abendmahl zu einem Festessen umfunktioniert werden müsste – wie zu Zeiten der urchristlichen Gemeinde. Darauf, wie er sich dann die Sündenvergebung vorstellt, ob sie weiterhin in diesem Festmahl verankert sein soll, ob darauf verzichtet werden kann: kaum ein Wort. In vielen Kapiteln fehlt mir bei Bethke die Tiefe, das Weiterfragen, stattdessen springt er zum nächsten Thema.

Das ist schade, denn Bethke nennt viele interessante Punkte, die mich angesprochen haben. So betont er etwa, dass der Sonntag der Anfang der Woche sei und entsprechend gelebt werden müsse, beschreibt eindrücklich, dass die Tempeltheologie uns noch heute sagen kann, dass Gott uns nahe kommen will, sieht in der Frage „Adam, wo bist du?“ die Frage eines sorgenden und nicht eines strafwütigen Gottes. Am eindrücklichsten war für mich das beschriebene Versöhnungsmahl. Aber es bleibt bei einzelnen Punkten, die mir von Bethkes Buch im Gedächtnis bleiben werden. Mehr nicht.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht so schlecht, wenn Bethke uns zwingt, selber weiterzudenken.

Jefferson Bethke: 
Jesus war kein Christ und andere überraschende Nachrichten
Verlag Gerth Medien 2017
ISBN 9783957341747

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