Bernhard Blöchl: Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint

„Was es in den Highlands gibt, willst du wissen? Das kann ich dir sagen, Mädchen: nichts!“

„Nichts? Nichts ist wenig.“

„Nichts ist alles!“, sagte Knoppke, und wer ihn kannte, hätte ein zuckendes Lächeln in sein Gesicht hineininterpretiert.

„Was denn alles, verdammt noch mal!“ Sam begann, an Knoppkes rechter Schulter zu rütteln, als sei er weggedöst.

„Wenn du es genau wissen willst“, er sah ihr in die Augen, „rohe Natur gibt es dort, rohe, ehrliche Natur! s gibt die Lochs und den Whisky, den Ben Nevis und die Highland-Cows, es gibt Ebbe und Flut, Fish and Chips. Kurzum: Es gibt dort den Ursprung, die Essenz. Zurück auf null.“

Und dann richtete sich Knoppke auf. Er streckte seinen stämmigen Körper, hob den Kopf in den Himmel über dem Kaff der Jasager, und auch sein Bauch verschaffte sich Platz, indem er den Holztisch mit einem Ruck nach vorne schob. So stand er da, der Mann mit der zerrissenen Jeans und dem zerrissenen Herzen, und dann sagte er: „Das ist es! Ich will zurück auf null!“

Er stand noch eine Weile so da, seine Arme hingen schlaff herunter, bevor er wieder Platz nahm, als sei nichts geschehen.

Bernhard Blöchl:
Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint
Piper-Verlag 2017

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s