Am Ende schmeißen wir mit Gold

Ich denke: Ich habe dich vermisst, und sage: „Ich muss auch mal aufs Klo.“

Wer solche Sätze mag, für den ist Fabian Hischmanns Buch „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ goldrichtig. Hischmann erweist sich in seinem Debütroman als Meister der kurzen, emotionslosen Sätze.

Das passt durchaus zu dem Protagonisten des Buches: Max Flieger, 29, Lehrer. Aber irgendwie noch nicht angekommen, nirgends. Er ist einer, der die Pubertät verschlafen hat und seine Selbstfindung mit 29 nachholen muss.

Zunächst wird Max mit seiner Jugend konfrontiert, denn er soll in den Sommerferien das Haus hüten, während seine Eltern auf Kreta im Urlaub sind. Die Rückkehr in die Gegend von Donaueschingen führt Max direkt zu seinen alten Jugendlieben, Maria und Jan. Irgendwie läuft da wieder was, irgendwie aber auch nicht. Ein ziemlicher Eiertanz. Dazu kommt noch Max‘ Freund – oder so – Valentin auf Besuch. Aber auch ihm gelingt es nicht, Spannung in das Buch hineinzubringen. Alles plätschert so vor sich hin.

Es braucht da schon einen Schicksalsschlag, der Max vorübergehend aus der Bahn wirft. Aber auch hier hat man das Gefühl, dass Max tiefergehende Gefühle fremd sind. Max also ein typischer Vertreter der Postmoderne? Mag sein. Eher ist es ein Entwicklungsroman, bei dem Max erst durchs Reisen zu sich selbst findet. Naja, irgendwie zumindest.

Dieses Irgendwie, das das ganze Buch durchzieht, geht einem spätestens ab der Hälfte des Buches ganz gewaltig auf die Nerven. Es mag gewollt sein, so wie die vielen völlig belanglosen Informationen, die man als Leser erhält, aber es fehlt die Raffinesse, die das Buch lesenswert macht. Was bleibt ist eine Geschichte, die so vor sich hin dümpelt, und von der man bereits nach den ersten Seiten weiß, dass sie genauso enden wird.


Fabian Hischmann:

Am Ende schmeißen wir mit Gold
Berlin-Verlag 2015
ISBN 9783833310263

Die letzten Tage der Nacht

Wer hat die Glühbirne erfunden? Thomas Edison? Wirklich?

In seinem neuen Buch „Die letzten Tage der Nacht“ schildert der amerikanische Schriftsteller Graham Moore auf spannende Weise den Stromkrieg, der nach der Erfindung der Glühbirne ausbrach.

Die Hauptfigur des Buches ist der aufstrebende Anwalt Paul Cravath, der von Edisons Rivale George Westinghouse engagiert wurde, um den Patentstreit mit Edison zu gewinnen. Dies erweist sich als äußerst schwieriges Unterfangen, ist Edison doch ein gewiefter und einflussreicher Gegner, der seine Erfindungswerkstatt fabrikartig aufzieht.

Graham Moore hat sich bei den zentralen Punkten am historischen Geschehen orientiert, wenn er auch dies und jenes ergänzte und die Fakten etwas straffte. Auch bei der charakterlichen Darstellung von Edison, Westinghouse und Cravath hat sich Moore an historische Fakten gehalten. Moores Kunst ist es, die historischen Fakten zu verdichten und so spannend und anschaulich darzustellen.

Graham Moore gelingt es, aus einem ausufernden Patentrechtsstreit um die Erfindung der Glühbirne und dem Stromkrieg zwischen 1888 und 1896 über die Frage, ob Gleich- oder Wechselstrom die Stromart der Zukunft ist, ein spannendes Buch zu weben, ohne dass der Leser mit allzu Kompliziertem behelligt wird. Dabei gerät Paul Cravath immer mehr zu einer tragischen Figur, die in dem Strudel unterschiedlichster Interessen und Machenschaften mehr als einmal unterzugehen droht.


Graham Moore:
Die letzten Tage der Nacht
Eichborn-Verlag 2017
ISBN 9783847906247

Graham Moore: Die letzten Tage der Nacht

Zitat

Als Paul geendet hatte, herrschte Schweigen im Raum. Er hatte alles gegeben, um Edison zu schlagen. Er hatte seine eigenen Sünden begangen, nur um zu beweisen, dass Edisons noch viel schwerer wogen. Er hatte den Menschen, den er lieben gelernt hatte, von sich gestoßen. Alles, was ihm noch blieb, war seine Wut.

Es fühlte sich gut an.

Graham Moore: Die letzten Tage der Nacht
Eichborn-Verlag 2017

Glücksmädchen

„Glücksmädchen“ von Mikaela Bley ist ein Psychothriller, der seinen Namen auch verdient hat.

Das spurlose Verschwinden eines 8-jährigen Mädchens bringt die Kriminalreporterin Ellen Tamm um den Verstand. Sie, die den Tod ihrer Zwillingsschwester nie überwunden hat, stürzt sich in den Fall, als handle es sich um ihr eigenes Kind. Je länger das Mädchen vermisst wird, umso mehr verliert Ellen ihre Professionalität. Für Ellen geht es immer mehr um ihre eigene Vergangenheit, um den Tod ihrer Schwester, für den sie sich die Schuld gibt.

Mit Ellen Tamm ist eine Frau Hauptfigur, die alles andere als perfekt ist. Ihre Beziehungen sind gescheitert, in schwierigen Situationen sucht sie Trost im Alkohol und wie besessen macht sie sich allein auf die Suche nach dem verschwundenen Mädchen.

Die genauen Zeitangaben im Buch lassen die Anspannung spüren, unter der alle stehen. Alle, das sind neben Ella der Vater, die Mutter, Stiefmutter´, ein Polizist, ein Tennislehrer und das Kindermädchen. Die wenigen Personen, die in „Glücksmädchen“ eine Rolle spielen, lassen das Geschehen umso intensiver wirken, weiß man doch so gut wie immer, was sie tun. Gekonnt legt Mikaela Bley falsche Fährten und verwirrt hin und da den Leser. Da nach und nach aufgedeckt wird, was am Tag des Verschwindens geschah, will man das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen.

 

Mikaela Bley:
Glücksmädchen

Ullstein-Verlag 2017,
ISBN 9783548288444