Aufstehen für ein neues Wir!

Burkhard Hoses Buch „Aufstehen für ein neues Wir“ ist ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft. Anlass für sein Buch ist die Arbeit mit Flüchtlingen. Begegnungen, die ihn berührt haben, schildert der katholische Würzburger Studentenpfarrer immer wieder. Und Hose beschreibt anschaulich und ehrlich, wie er dadurch auch sich selbst verändert hat. Genauso ehrlich beschreibt er auch, wie schwer es ihm fiel, mit dem Hass und der Wut, die ihm an manchen Stellen entgegenschlug, umzugehen.

Jeder, der in der Flüchtlingsarbeit ist, wird sich in den Schilderungen Hoses wiederfinden. Die Verständigung trotz sprachlicher Schwierigkeiten schildert Hose ebenso wie die gutgemeinten Ratschläge, die an den Flüchtlingen vorbeigehen und die Irrtümer über Syrien und Afghanistan, die aufgelöst werden – ja, die meisten Flüchtlinge haben auch früher schon Schnee gesehen und in Syrien gibt es auch Duschen…Die Hoffnung Hoses, dass wir durch das Gespräch mit den Flüchtlingen auch uns selbst besser kennenlernen, weil uns dann erst auffällt, was den Flüchtlingen sofort auffällt, ich teile sie mit Hose. Auch, dass das auch den Umgang mit der eigenen Religion betreffen könnte, dass wir wieder lernen, über unseren eigenen Glauben zu reden.

Blauäugig und streckenweise sogar naiv erscheint mir Hose aber, wenn es um die Politik geht. Für Hose, so scheint es, ist das ein rotes Tuch. Zugespitzt gesagt: Während die Flüchtlingshelfer sich um die Menschen sorgen, unterstellt Hose den Politikern, dass sie gefühlskalte „Realisten“ sind. Für Hose ist Realist zu sein ein Unding, er fordert Visionäre und eine „andere Logik“, die Logik der Barmherzigkeit, die schlichtweg nur sagt: „Dann gehe und handle“. Wie sehr er wirklich davon überzeugt ist, dass damit Politik gemacht werden kann, zeigt Hoses Wunsch, der Bundeskanzlerin anzurufen: „Guten Morgen, Frau Bundeskanzlerin. Ich weiß, es ist 2 Uhr in der Nacht, aber ich muss Ihnen etwas Wichtiges sagen: Wir haben keine Garantie dafür, dass wir es schaffen, aber ich weiß, dass es Sinn macht, Menschen auf der Flucht zu helfen. Und wenn wir das tun, was voller Sinn ist, dann haben wir auch die Kraft, es zu schaffen. Ich will Ihnen sagen, dass viele Menschen in diesem Land dazu bereit sind.“ Ich glaube, die Bundeskanzlerin braucht solche Anrufe nicht. Und ich brauche solche Ausführungen nicht. In einem Land voller Visionäre wie Hose würde ich zumindest nicht leben wollen. Realisten sind kein Fehler, wenn es um die praktischen Dinge geht. Und davon ist in Hoses Buch für meinen Geschmack viel zu wenig die Rede.

Was ist dieses neue Wir, das Hose will? Ein Land, das die Willkommenskultur zum Dauerzustand macht, ja. Aber was heißt das? Wie geht das? Wie soll sich Deutschland denn verändern? Wie wird sich Deutschland vielleicht ganz von selbst verändern? Hier fehlen mir Hoses Visionen.

 
Burkhard Hose:
Aufstehen für ein neues Wir!
adeo-Verlag 2016
ISBN 9783863341244

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