Sünde. Was Menschen heute von Gott trennt

Mit seinem Buch „Sünde. Was Menschen heute von Gott trennt“ will Thorsten Dietz seine Leser zum Nachdenken bringen. Dabei hält sich Dietz nicht allzu lange beim biblischen Sündenfall mit Adam, Eva und der Schlange auf. Viel wichtiger ist es dem Theologen, was für uns heute Sünde ist. Was die griechischen Autoren mit den Tugenden gemacht haben, gelingt Dietz bei der Sünde. Sieben ganz unterschiedliche Sünden beschreibt Dietz: Blindheit, Hartherzigkeit, Suchtverhalten, Selbstlosigkeit, Reichtum, Sicherheit und Trägheit.

Kann man erklären, warum es Sünde gibt? Woher kommt es, dass Menschen sich falsch verhalten? Für Dietz sind das nicht die eigentlichen Fragen, die uns unter den Nägeln brennen sollten. Vielmehr schreibt Dietz ähnlich wie Martin Luther einen Sündenspiegel, den wir uns vorhalten können. Sieben Sünden, die uns alle immer wieder einholen, hat Dietz gesammelt. Da ist die Blindheit, das Unvermögen, die Wahrheit zu sehen, obwohl sie uns eigentlich deutlich vor Augen ist. Dann die Hartherzigkeit, die uns verstockt und kein echtes Mitgefühl mehr aufkommen lässt. Schließlich die Sucht, die uns unfrei werden lässt und uns in Gier bindet. Als Ziel: Selbstlosigkeit, die Angst und Verzweiflung hinter sich lassen und anderen vertrauen. Echter Reichtum: Reichtum, der frei macht und nicht belastet, weil er mit Macht verbunden ist. Keine falsche Sicherheit, sondern einfaches Schwarz-Weiß-Denken vermeiden und versuchen, den anderen zu verstehen. Initiative statt Trägheit, die uns davon abhält, das Richtige zu tun.

Um seine Ausführungen lebendiger zu machen, bezieht sich Dietz immer wieder auf bekannte Filme wie „Herr der Ringe“, „Tribute von Panem“ oder „Star Wars“. Hier fand ich es nicht immer leicht, den Ausführungen zu folgen. Sehr ausführlichen inhaltlichen Zusammenfassungen folgen oft nur kleine Verdeutlichungen oder Erklärungen. Aber nicht nur hier verzettelt sich Dietz immer wieder. Auch wenn er Theologen wie Dorothee Sölle oder Dietrich Bonhoeffer zitiert, gerät das Thema der Sünde immer wieder aus dem Blickfeld.

Besonders gefallen hat mir, dass Dietz am Ende der Kapitel dem Leser jeweils kleine Aufgaben mit auf den Weg gibt. Das sind Anregungen, die man immer wieder aufgreifen kann.

Thorsten Dietz:
Sünde. Was Menschen heute von Gott trennt
SCM-Verlag
ISBN 9783417267846

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Und damit fing es an

Rose Tremain erzählt in ihrem Roman „Und damit fing es an“ zwei ganz unterschiedliche Geschichten. Zum einen ist es die Geschichte von Erich Perle, stellvertretender Polizeichef im schweizerischen Matzlingen in den 1940er Jahren, zum anderen die Geschichte von Gustav Perle, seinem Sohn, die bis in die 1990er Jahre reicht.

Geschickt gewählt ist der Original-Titel des Buches: die Gustav-Sonate. Denn wie bei einer Sonate sind es zwei ganz unterschiedliche Melodien, die im Buch immer wieder auftauchen. Für mich steckt darin die große Schwäche des Buches: Wir bekommen drei große Brocken geliefert, die mit großen Zeitsprüngen einhergehen und nur lose miteinander verbunden sind. Kaum hat man sich in die Kindheit von Gustav hineingelesen, seine Freundschaft mit Anton, dem jüdischen Kind, mitverfolgt, landet man im zweiten Teil, wo das alles keine Rolle mehr spielt, um dann aber im dritten Teil, dem Finale, 40 Jahre später wieder aufzutauchen. Mich haben diese inhaltlichen Brüche sehr gestört, auch wenn hier und da Informationen nachgereicht wurden, zum Beispiel wie es sich Gustav leisten konnte, ein Hotel zu kaufen. Vor allem den zweiten Teil, wenn die ganze Vorgeschichte herausgekramt und ausgebreitet wird, empfand ich als sehr langweilig.

Äußerst gelungen ist in dem Roman die Beschreibung der Personen. Man kann sich gut in die Figuren hineinversetzen und hineinfühlen. Sie sind realistisch gezeichnet, Menschen mit Fehlern und Schwächen. Und dass Gustav und Anton wie auch Erich Perle und seine Frau ganz unterschiedliche Menschen sind, gibt dem Ganzen einen besonderen Reiz. Auch die ganz unterschiedlichen Lebensverhältnisse kann man gut erspüren. Gestört hat mich dabei nur die zum Teil derb wirkende Sprache, wenn es um Sexualität geht. Für mich hat das so gut wie nie zum restlichen Stil des Buches gepasst. Das f-Wort ist mir dabei viel zu oft vorgekommen.

Nicht überzeugt hat mich das Ende des Buches. Da wird ein glückliches Finale hervorbeschworen, dass so gar nicht überzeugend ist und vor Schmalz nur so trieft.

Fazit: „Und damit fing es an“ ist ein Buch, das furios beginnt, aber enttäuschend endet. Mich hat es nicht gepackt, aber ich bin mir sicher: Der Roman wird seine Leser finden.

Rose Tremain:
Und damit fing es an
Insel Verlag 2016
ISBN 9783458176848