Grzimek

Er kommt melancholisch daher, dieser Film über Bernhard Grzimek, an manchen Stellen fast schon resignierend. Es geht Regisseur Roland Suso Richter nicht darum, den berühmten Grzimek zu porträtieren. Es ist das unbekanntere Bild von Grzimek, das im Vordergrund steht.

Aber auch den Privatmenschen Bernhard Grzimek hätte man theatralisch ausschlachten können: uneheliche Kinder, Heirat der Schwiegertochter, zwei tote Söhne – mehr als genug Stoff. Dass „Grzimek“ kein reißerischer Film ist, liegt vor allem an der Erzählweise des Films: immer wieder wird Grzimeks Verhalten von ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Ein schwarz-weiß gestricktes Bild wird so vermieden.

Natürlich könnte man einwenden, dass Grzimek zu sehr als Getriebener, Zerrissener dargestellt ist – doch der Zuschauer hat immer auch die unglückliche betrogene Ehefrau im Hinterkopf oder die Vorwürfe von Grzimeks Sohn. Eher trifft die Kritik, dass die Lebensleistung von Grzimek nicht genug gewürdigt wird. Zu sehr ist immer die Beziehung zum Sohn, zur Frau usw. im Vordergrund.

Die Mischung aus beruflichem Erfolg und dem Versagen als Familienvater macht die Qualität des Filmes aus. Der Hochgelobte muss nicht noch einmal gefeiert werden, seine Verdienste müssen nicht in aller Breite dargestellt werden. Dass ihm die Tiere mehr am Herzen lagen als die Menschen und Grzimek irgendwann die Tiere mehr verstand als die Menschen, sagt wohl am meisten über Grzimek.

„Grzimek“: Ein leise erzählender Film, der Wertungen vermeidet und ganz unterschiedliche Seiten dieses Menschen zeigt.


Grzimek,
Regie: Roland Suso Richter

ARD Degeto, 2015

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