99 Überraschungen im Koran

Kurt Beutler liest den Koran. Und immer wieder ist er überrascht von dem, was er da liest. Aus all den Überraschungen, die er erlebt hat, ist schließlich sein Buch geworden: „99 Überraschungen im Koran“. Dabei sind die positiven Überraschungen, die Beutler beim Lesen erlebt hat, eher am Anfang des Buches, während die kritischen Nachfragen stärker im zweiten Teil des Buches vertreten sind.

Die „Überraschungen“, also die Kapitel des Buches umfassen meist 1-2 Seiten. Kurz und knapp wird eine Frage beleuchtet. Am Anfang des Buches steht der Aufbau des Koran im Vordergrund, gefolgt von den positiven Aussagen des Koran zum Christentum und Judentum. Anschließend folgen kritischere Kapitel: Gewalt, Stellung der Frau und der persönlichen Beziehung zu Gott. Je kritischer die Nachfragen werden, umso häufiger verwendet Beutler das „ich“ in seinem Buch. Das lässt die subjektive Bewertung deutlich werden, ist aber an manchen Stellen doch etwas störend – wenn zum Beispiel zum xten Mal von den Freunden die Rede ist, die Beutler zu irgendwelchen Koranstellen befragt.

Aus meiner Sicht ist es sehr gelungen, dass Beutler zunächst das Positive herausstreicht. So wird das Buch über den Islam nicht automatisch zu einem „Problembuch“. Beutler bringt dabei einiges Erstaunliches zu Tage: Der Koran lehne die Bibel nicht ab, hält sie auch nicht für verfälscht, wie viele Muslime ja glauben. Als spannend empfand ich auch die Aussage, der Koran spreche an keiner Stelle von einer persönlcihen Beziehung zu Gott. Auch dass nur eine einzige Frau im Koran namentlich erwähnt wird, Maria, war mir neu.

Auch wenn sich Beutler im Vorwort selbst als Muslim bezeichnet, dessen Prophet Jesus ist: Beutler streicht deutlich die Unterschiede zwischen Koran und Bibel heraus. Und: Beutler richtet sich an ein christliches Publikum. Welcher Muslim würde ihm wohl zustimmen, wenn er behauptet, dass Jesus im Koran Gott näher sei als alle anderen Propheten?

Für mich war einiges Neues über den Koran in diesem Buch versteckt. Auch wenn nicht alle „Überraschungen“ wirkliche Überraschungen sind und nicht jedes der 99 Kapitel interessant ist: lesenswert ist das Buch auf jeden Fall.

Kurt Beutler:
99 Überraschungen im Koran.
Inspirierendes und Irritierendes – ein Christ betrachtet das Buch des Islam

Gerth Medien 2016,
ISBN 9783957341273

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Endgültig

Andreas Pflügers Thriller „Endgültig“ hat eine besondere Ermittlerin als Hauptperson: Jenny Aaron ist eine Karrierefrau: mit 25 Jahren wurde sie in eine Sondereinheit des BKA berufen, heute ist sie die einzige blinde Fallanalytikerin und Vernehmungsspezialistin Deutschlands. Entstanden ist mit Jenny Aaron eine selbstbewusste Frau, die sich in der Männerdomäne eines Sondereinsatzkommandos behaupten muss. Würde uns Pflüger nicht immer wieder darauf hinweisen, könnte man glatt vergessen, dass Jenny Aaron blind ist. Denn das, was sie nicht sehen kann, kann sie mit ihren anderen Sinnen wahrnehmen. Dem Nachwort zufolge hat es sich Pflüger nicht leicht gemacht, sich für eine blinde Ermittlerin als Hauptfigur zu entscheiden. Und weil Pflüger wohl damit gerechnet hat, dass man ihm diese blinde Jenny Aaron, die sich so gut im Leben zurechtfindet, nicht abnimmt, verweist er in seinem Nachwort auf seine Recherchen, was Blinde alles (erreichen) können.

Für mich war diese blinde Protagonistin der Reiz des Thrillers. Nicht nur, dass es interessant ist zu lesen, wie eine blinde Frau sich zurechtfindet. Es ist auch spannend, wie der Autor mit diesem Thema umgeht. Immer wieder spielt er mit dem Leser, indem er beschreibt, was Jenny Aaron sieht – und man muss sich immer wieder klarmachen: so stellt sie es sich vor…  Auch Zeitsprünge und eingeschobene Träume lassen einen beim Lesen immer wieder stutzen.

Die Handlung selbst entwickelt sich immer mehr zu einem Duell zwischen zwei Kontrahenten: Aaron und Holm, ein überraschend gebildeter Mörder, mit dem Aaron es in einem früheren Fall zu tun hatte. Zum Schluss hin gewinnt die Handlung dadurch rasant an Fahrt. Spannend ist, wie sich die verschiedenen Erzählfäden immer wieder miteinander verbinden und immer mehr Zusammenhänge zwischen den einzelnen Personen und Ereignissen deutlich werden. Und langsam, sehr langsam, wird auch Holms Strategie aufgedeckt.

Nicht nur was die Sprache des Thrillers angeht, auch in Blick auf die Vielzahl an Personen, die vorkommen, ist „Endgültig“ anspruchsvoll. Ein wenig ist mir Jenny Aaron zu sehr als Heldin stilisiert und auch die Handlung ist an manchen Punkten zu unglaubwürdig, vor allem dann, wenn die Figuren wieder einmal die Gedanken der anderen lesen können. Trotzdem: „Endgültig“ ist ein großartiges Buch!

Andreas Pflüger:
Endgültig. Thriller

Suhrkamp-Verlag 2016,
ISBN 9783518425213