Unser wildes Blut

Alexander liebt Aysel. So einfach, so kompliziert ist das. Das Autorenduo Wolfgang Schnellbächer und Nur Öneren beschreiben in ihrem sehr bemühten und sehr engagierten Buch, auf welche Schwierigkeiten diese Liebe stößt. Allerdings: der Spagat zwischen der Darstellung des Konflikts zwischen den Kulturen und dem Erzählen einer stimmigen Handlung gelingt dem Autorenpaar nicht.

Alexander und Aysel verlieben sich ineinander, obwohl sie sich so gut wie nie sehen können, weil Aysels Familie, vor allem ihr Bruder Ilhan, über sie (und ihre Ehre) wacht. Alles, was nicht mit dem Thema des Buches zu tun hat, gelingt in dem Buch mühelos. Nur, wenn es um den Zusammenprall zweier verschiedener Welten mit ihren Wertesystemen geht, werden innere Konflikte ausgebreitet und diskutiert, dass sich die Balken biegen – und das ist gut so.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches sind einige Zeitsprünge und Sprünge in der Handlung, die meines Erachtens nicht notwendig gewesen wären. Während am Anfang sehr ausführlich erzählt wird und man die Personen kennenlernt, rauscht später die Handlung nur so an einem vorbei und innere Beweggründe bleiben allzu oft verborgen.

Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Alexander und Ilhan – die beiden Kontrahenten, die aufeinanderprallen. Das funktioniert zwar einerseits, weil die unterschiedlichen Positionen direkt aufeinanderprallen, andererseits fehlen dazwischen aber die leisen Töne – der Verliebten.

Die Komposition des Buches hat mich nicht in Gänze überzeugt. Die Idee, das Geschehene rückblickend zu erzählen, um dann am Schluss wieder in der Gegenwart zu landen, ist gut. Allerdings führt das dazu, dass ständig eine Zugfahrt erwähnt wird. Das hätte man auch weglassen können.

Der Schluss des Buches – Achtung: Spoiler! – hat mich überhaupt nicht überzeugt, ja gar verärgert: westernhaft prallen die beiden Kontrahenten aufeinander und beschimpfen sich sprachlich völlig abstrus. Beispiel gefällig?

Ilhan:  „Harte Worte, so hart und so gerecht mit der Welt, mein strahlender Held“

Alexander: „Ich? Ich hab euch in diese düstre Nacht getrieben? Wer steht denn am Buffet zweier Welten, wer bedienst sich vom Besten?“

Man fühlt sich streckenweise zurückversetzt in ein Gedankendrama Gotthold Ephraim Lessings. Wäre, ja wäre da nicht die schräge Mischung aus schwülstig-poetischer und umgangssprachlicher bis vulgärer Sprache. Wäre die Sprache des Erzählers nur so poetisch angehaucht, dass von „grausigen“ Erlebnissen erzählt wird, so wäre es verkraftbar. Wenn uns aber nun Jugendliche gegenüberstehen, die in geschwirbelten Sätzen daherreden und sich in mit zig Nebensätzen verbundenen gedeichselten Sätzen anbrüllen, ist Not am Mann. Da hat der Belehrungswille über das Erzählen gesiegt. Schade drum.

Wolfgang Schnellbächer und Nur Öneren:
Unser wildes Herz

Verlag cbt, 2016,
ISBN 9783570163832

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