Fundament der Hoffnung

Wir sind im Jahr 445 vor Christus. Jerusalem ist zerstört. Nehemia, der Mundschenk des persischen Großkönigs Artaxerxes, bekommt den Auftrag, als Statthalter nach Jerusalem zurückzukehren. Dort macht er sich daran, der Stadt neues Leben einzuhauchen, indem er zunächst die Stadtmauer wieder aufbauen lässt – das „Fundament der Hoffnung“.

Mit viel Einfühlungsvermögen erzählt Lynn Austin die biblische Geschichte von Nehemia, der seine Berufung erkennt und Jerusalems Stadtmauer wieder aufbaut. Neben Nehemia gehört die Leibeigene Nava zu den Hauptfiguren, ebenso Chana und ihr Verlobter Malkija, für den Nava arbeitet. Wird es Nehemia gelingen, die Stadtmauer aufzubauen, obwohl ihn die Herrscher der Nachbarvölker davon abbringen wollen? Wie ergeht es Nava, die zur Leibeigenen gemacht wird? Und können Chana und Malkija glücklich werden?

Die drei Handlungsstränge, die sich immer wieder kreuzen, sorgen für Spannung bis zum Schluss und bieten zugleich einen unterschiedlichen Blick auf die Lebenswirklichkeiten der damaligen Zeit. Wer biblische Geschichten so aufbereitet mag, für den ist der neue Band von Lynn Austin genau das Richtige. Historische Ereignisse sind verknüpft mit Einzelschicksalen, mit denen man mitfiebert.  Nur am Schluss ist mir persönlich alles zu schnell aufgeklärt und bereinigt worden.

Fazit: Lynn Austins „Fundament der Hoffnung“ eignet sich gut dazu, um etwas von Nehemia zu erfahren, der ja doch für viele Christen etwas unbekannter ist. Zugleich ist es ein spannend erzählter Roman, der viel Wert auf die Gefühlswelten der Figuren legt.

Lynn Austin:
Fundament der Hoffnung.
Die Geschichte von Nehemia

463 Seiten, Francke-Verlag 2016,
ISBN 9783868275582

Ein Geheimnis

Das Spannende an Claude Millers Film „Ein Geheimnis“ ist die Konstruktion des Films: „Ein Geheimnis“ ist die Zelebration der Auflösung eines Familiengeheimnisses, erzählt auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen.

Zunächst befindet man sich in den 50er Jahren, bei dem jungen Francois, dann in den 30er Jahren, bei dem jungen Simon und seinen Eltern, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. Die Verbindung der zwei Ebenen wird durch die Erzählung des gealterten Francois immer deutlicher. Mit 15 Jahren hat er zum ersten Mal von dem Familiengeheimnis gehört. Stück für Stück wird es im Film aufgelöst. Claude Miller zeichnet so – nach dem Roman von Philippe Grimbert – das Bild einer zerbrochenen Familie.

„Ein Geheimnis“ behandelt die Jugend eines jüdischen Jungen eher am Rande, es ist kein Film, bei dem man heulen muss. Dafür gibt es zu viele Wechsel der Zeitebene. Trotzdem gelingt es dem Film sehr direkt zu zeigen, womit die Familie in den 30er Jahren konfrontiert war, indem Auseinandersetzungen innerhalb der Familie gezeigt werden. Vergleichsweise knapp wird dagegen das eigentliche Geheimnis erzählt. Dies verdeutlicht gut die Machart und die Absicht des Films: es geht nicht um Effekthascherei, um die Tränendrüse. Es geht um den fast schon nüchternen Blick auf eine Familiengeschichte, die im Nationalsozialismus ihre Bruchstellen erhielt.


Ein Geheimnis,
Regie: Claude Miller

Arsenal Filmverleih 2009

Der Hut des Präsidenten

Francois Mitterrand vergisst eines Abends im Jahr 1986 seinen Hut in einem Restaurant  – und die Welt steht Kopf. Bei seinem neuen Besitzer entfaltet der Hut mit den Initialen F.M. nämlich eine magische Wirkung – endlich traut der sich was und wird prompt befördert. Doch nicht nur bei ihm wirkt der Hut auf rätselhafte Weise  – denn immer, wenn der Hut seinen Besitzer wechselt, verändert sich etwas im Leben der neuen Hutträger.

Mit feinem Humor erzählt der französische Schriftsteller Antoine Laurain in seinem Buch „Der Hut des Präsidenten“ von Veränderungen im Leben ganz unterschiedlicher Menschen, die endlich in Angriff genommen werden – dem Hut sei Dank. Ganz nebenbei streift Laurain dabei die französische Politik und Gesellschaft, allen voran die neue Kunst.

„Der Hut des Präsidenten“ ist ein leichtes Buch, das sich schnell lesen lässt. Es hat mich an französische Filme erinnert, die mit Chansons beinahe belanglos von der Liebe erzählen. Nur der Epilog ist ein Fremdkörper im Buch – etwas überspannt wird der Geschichte eine neue Wendung gegeben.


Antoine Laurain:
Der Hut des Präsidenten

Hoffmann und Campe Verlag 2016,
ISBN 9783455650228

Antoine Laurain: Der Hut des Präsidenten

Zitat

Francois Mitterand verstand es, Zeichen zu setzen, er verstand es, sich in die Geschichte einzuschreiben, und auch in die Gegenwart. Eine Glaspyramide vor den Louvre zu stellen, gestreifte Säulen in den Palais Royal, einen gewaltigen Triumphbogen ans Ende der Blickachse des Arc de Triomphe zu setzen – all das zeugte von einem vollkommen antikonservativen, ikonoklastischen Willen. Es war fast schon Punk.

Die schützende Hand

„Die Wahrheit ist das letzte, das hier jemand wissen will.“ – in seinem Krimi „Die schützende Hand“ lässt Wolfgang Schorlau den Ex-BKA-Beamten Dengler in vermintes Gelände: Dengler soll sich auf die Suche nach der Wahrheit um den Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt machen. Und je mehr Dengler sich für seinen mysteriösen Auftraggeber auf Spurensuche begibt, um so deutlicher wird, dass es ein Spiel um die Wahrheit ist – darum, wer die Deutungshoheit in Sachen NSU hat.

Man merkt es dem Krimi an, dass Denglers achter Fall für Wolfgang Schorlau mehr als nur ein Kriminalfall ist. Akribisch, beinahe schon pedantisch wird immer wieder aufgelistet, was alles nicht zusammenpasst in der offiziellen Erklärung des Tods der beiden Verbrecher. Wären da nicht die vielen eingefügten Originalzitate aus Untersuchungsberichten, Zeitungsartikeln, Protokollen und die vielen Fußnoten, die erklärend ergänzt sind, man hätte den Eindruck, dass Schorlau zu viel schlechte Filme mit zu viel schlechten Verschwörungstheorien geschaut hat.

So handelt es sich bei „Die schützende Hand“ aber um eine faszinierende Mischung aus Fiktion und Realität. Wobei der Geheimdienst, so will ich hoffen, doch kein so extremes Eigenleben hat, wie es der Detektiv Dengler entlarvt.

Mit „Die schützende Hand“ ist es Wolfgang Schorlau gelungen, ein politisches Thema literarisch spannend aufzubereiten.

Wolfgang Schorlau:
Die schützende Hand,
Denglers achter Fall

Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2015,
ISBN 9783462046663