Altes Land

„Altes Haus“ sollte das Buch eigentlich heißen. Denn eigentlich ist es ein Haus, das im Zentrum des Romans „Altes Land“ von Dörte Hansen steht. Ein Haus, das schon bessere Tage erlebt hat. Gleich im ersten Kapitel wird es beschrieben, wie es Wind und Wetter und den Zeiten trotzt, mit seinem struppigen Reetdach, dem alten Fachwerk. Und mit dem Satz „Das Haus stand still“ endet das Buch.

Es sind die Personen in und um dieses Haus, die in „Altes Land“ zum Sprechen gebracht werden. Das Schöne daran ist: sie sind genauso struppig und widerborstig wie das alte Haus selbst. Und gäbe es Dörte Hansen nicht, so kann man sich sicher sein, wären sie nie im Leben so redselig geworden, sondern hätten es dem Haus gleichgetan und geschwiegen.

Das, was an „Altes Land“ von Dörte Hansen so faszinierend ist, ist die Verdichtung einer ländlichen Idylle mit ganz unterschiedlichen Charakterköpfen. Als Leser hat man nicht nur Spaß an den knorrigen Gewächsen, die auf dem Land leben, sondern nimmt auch teil an der Entmystifizierung des achso schönen Landlebens.

Da gibt es den von der Stadt Zugereisten, der im Landleben sein Glück sucht, die Zeitschrift „Land & Lecker“ herausgibt. Bis, ja bis er vom Landleben die Schnauze gestrichen voll hat. Dann ist da noch Anne, die betrogene Ehefrau, die zurück ins elterliche Haus geht und – kritisch beäugt – mit der Renovierung beginnt. Und Vera, die Besitzerin, ist alles andere als eine einfache Frau. Nicht anders steht es allerdings auch um ihre Nachbarn. Aus all diesen eigentümlichen Personen entsteht ein fein verwobenes Beziehungsgeflecht, das nur in dieser Gemengelage funktionieren können. Im Grunde genommen könnte „Altes Land“ immer weitergeschrieben werden – zumindest solange wie es das Haus gibt.

„Altes Land“ ist alles andere als der Versuch einer Entzauberung des Landlebens. Es ist eine wundervolle Beschreibung dessen, was Landleben – zumindest in Norddeutschland – ausmacht und endet viel zu früh.

Dörte Hansen:
Altes Land. Roman

Knaus-Verlag, 2015,
ISBN 9783641152390

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