Gedichte vom Sein

Manchmal, ja manchmal schimmert bei Christa Müllers Gedichten durch, was die Kraft der Lyrik vermag: irritieren, stutzig machen, verblüffen. Es sind gerade die kurzen, scheinbar dahingeworfenen Gedichte, bei denen das gelingt. „Erste Liebe“ zum Beispiel. „Kopf in den Wolken / Phantasie treibt Rosen“ beginnt das Gedicht und endet mit der Feststellung „die Füße tanzen / zu dir„. Ja, so geht Poesie. Aussagekräftige Bilder, die einen stolpern lassen.

Angestrengt wirken die Gedichte dann, wenn sie zwanghaft gereimt und schlecht aufs Metrum getrimmt sind. Man verheddert sich beim Lesen nur so in den Zeilen – und das ist keineswegs beabsichtigt. „Fühlen, Riechen, Schmecken / Was machen daraus wir Kecken?“ wird da gereimt um des Reimes willen. Dann wiederum wird „steh’n“ auf „sehen“ gereimt, wo man doch einfach „stehen“ hätte schreiben können.

Beim Metrum sieht es nicht besser aus. Da beginnt es schön regelmäßig im Trochäus „Tastest durch den dunklen Raum“ um dann völlig aus dem Takt zu geraten: „Orientierung findest du kaum“. Dazu kommen noch die vielen Satzumstellungen, die die Gedichte wohl lyrisch wirken lassen wollen. „Die Kinder sich freuen“ wird da der Satz schnell mal umgestellt. Freilich: lyrisch ist das nicht, es ist einfach nur sperrig. Manche der Gedichte wirken zudem wie Gelegenheitsgedichte, „Fröhlichen Advent“ und „Deine Hochzeit“ zum Beispiel.


Christa Müller:
Gedichte vom Sein

Book on demand,
ISBN 9783739256269

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