Nach Wolke 7

„Nach Wolke 7“ heißt der Erzählband von Olivera Lloyd. Und damit ist das Thema, das allen Geschichten gleich ist, schon benannt: die Zeit nach dem Verliebtsein, die Zeit der Ernüchterung, der Trennung und Neubesinnung.

Das bietet mehr Stoff, als man auf den ersten Blick vielleicht denken mag. Die Protagonistinnen der neun Erzählungen sind auf ganz unterschiedliche Weisen vom Schicksal gebeutelt: eine alte Liebe, die plötzlich wieder auftaucht, eine schwerkranke Frau, die ihrem Mann eine Nachfolgerin sucht, und mehr als eine Liebende, die abtaucht – mal mehr, mal weniger freiwillig.

Olivera Lloyd schreibt dabei nüchtern und schnörkellos. Poetische Sprache ist nicht ihre Sache, sie kommt auf den Punkt. Wo andere Gefühle weit ausgebreitet hätten, sagt sie, was Sache ist. Dennoch: Mir war der Schreibstil an einigen Stellen zu psychologisierend. Selbstreflexionen ja, aber nicht so: „Beziehungen sterben manchmal ungesehen im Dunkeln, und genau da bleibt auch der Schmerz. Wenn man dann beginnt zu reden, weiß man, dass es eine Chance gibt auf Trost, aber auch eine Chance auf Kritik.“ oder: „Ich war so voller Gefühle, dass ein Großteil meiner Lebensenergie nur noch dazu diente, darüber hinwegzutäuschen, dass ich sie hatte. Nichts ist so schwer wie normales Verhalten, wenn man sich so ganz und gar abnorm fühlt.“ Für mich ist das deutlich zu gebrochen rational und passt nicht zu den Figuren.

Gut gefallen hat mir die Mischung an Texten: mal genreübergreifend, mal in der Nachkriegszeit angesiedelt, mal sind die Protagonisten mit pathologischen Zügen versehen, und ein Geist kommt auch noch vor. Für Überraschungen ist also gesorgt.

Olivera Lloyd:
Nach Wolke 7: Erzählungen,

Schardt-Verlag,
ISBN 9783898417877

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