Der Algorithmus des Meeres

Ein heruntergekommenes Hotel am Meer. Illustre Bewohner. Ein angeschwemmtes Wrack. Sand, sehr viel Sand. Und viel, viel Müll.

Mit dieser Dystopie beginnt Frank Hebbens Erzählung „Der Algorithmus des Meeres“. Eine Erzählung von gut hundert Seiten, die es in sich hat. Es ist ein Parforce-Ritt, dieses Buch. Zunächst die Endzeitstimmung, Alpträume, das Zusammenleben als Außenseiter, Überlebende gar? Wie die unterschiedlichen Bewohner den Weg in das verlassene Hotel gefunden haben, bleibt – wie so manches – offen.

Doch dann kommt Bewegung in das düstere Panorama: Maro, die Hauptperson, tritt seine Reise an. Eine mystische Reise zum goldenen Schatz – und der Held kehrt zurück. Der Wechsel zwischen den Genres ist fließend: was als Dystopie beginnt, wird zur Aventiure und schließlich zur Science-Fiction-Geschichte. Auf mich wirkten die einzelnen Episoden der Erzählung wie viele zusammengeschnittene Filmsequenzen, die immer wieder unscharf werden.

Grandios ist der Schreibstil des Buches: stakkatohaft werden Stimmungen erzeugt, und gleichzeitig doch bildgewaltig. Ein Beispiel? Bitte sehr: „Maro spürt den Sand, schmirgelnd, er rennt; links Dünen und brüchige Zäune, die Disteln blühen; nördlich liegt die Küste in der Grelle, unscharfe Klippen, weit entfernt und salzweiß.“

„Der Algorithmus des Meeres“ ist kein Buch, das man einfach so runterlesen kann. Und das ist seine Stärke: Es ist ein Buch, das man mehrmals lesen kann – und immer wieder wird einem etwas anderes dabei auffallen.


Frank Hebben:
Der Algorithmus des Meeres

Begedia-Verlag, 2015,
ISBN 9783957770493

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