Selbstporträt mit Flusspferd

Ein origineller Titel macht noch kein gutes Buch. Das ist meine Erkenntnis bei Arno Geigers „Selbstporträt mit Flusspferd“. Durch das erste Drittel des Buches musste ich mich sehr quälen. Die Hauptfigur, Julian Birk, hat sich von seiner Freundin getrennt und bemitleidet sich selbst. Die banale Trennungsgeschichte eines banalen 22-Jährigen hat so gar nichts, was irgendwie interessant ist. Das Leben dümpelt eben vor sich hin. Man mag es große Kunst nennen, wie die Frankfurter Rundschau es tut, dass der Erzähler gänzlich hinter dem Leiden des 22-Jährigen verschwindet – mich hat es nur gelangweilt.

Erst im zweiten Drittel, wenn geschildert wird, wie Julian sich in ein anderes, teilweise geheimnisvoll wirkendes Mädchen namens Aiko verliebt, finden sich Passsagen, die lesenswert sind – und auch bedenkenswert. Schöne Passagen – aber eben nur Passagen.

Im letzten Teil des Buches wiederum haben mir gerade die Stellen gefallen, wo der Erzähler den Blick über die Figur hinaus wagt. Allzu häufig freilich geschieht dies nicht.

Nicht wirklich überzeugt hat mich die Parallele zwischen Julian und dem Flusspferd, das er in den Semesterferien betreut. Die einzigen zwei Parallelen sind schließlich nur, dass beide auf ein neues Leben warten – das Flusspferd im Zoo, Julian in einer neuen Beziehung – und dass beide im Grunde genommen nichts tun. Einen Roman übers Erwachsenwerden kann so ziemlich ermüden.

So sehr ich Arno Geiger mag: mit diesem Buch bin ich nicht warm geworden.

Arno Geiger:
Selbstporträt mit Flusspferd

Hanser-Verlag 2015,
ISBN 9783446247611

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