Heart. Beat. Love.

Nein, vom Hocker gehauen hat mich dieses Hörbuch nicht. Die Geschichte um die beiden jugendlichen Protagonisten ist zwar nett anzuhören, aber eben auch nur nett.

Axi schlägt ihrem Freund, Robinson, aus heiterem Himmel vor, abzuhauen. Und so beginnt ein Roadtrip quer durch die USA. Nach einem guten Start mit einigen originellen, schlagfertigen Dialogen verliert sich der Roadtrip immer mehr zu einer Flucht á la Bonnie & Clyde. Zugleich entwickelt sich eine zutiefst romantische Liebesbeziehung zwischen den beiden Freunden, die allerdings zum Ende noch einmal umschlägt – wie, sei hier nicht verraten. Die beiden Protagonisten sind dabei so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass der Blick auf die Landschaft und die verstrichenen Kilometer fast keine Rolle spielt.

Für mich kamen die ernsten Teile des Hörbuchs nicht überzeugend genug rüber. Wo es um Leben und Tod geht, scheint der Autor, James Patterson, auszuweichen. Er wird dann zutiefst pathetisch und lässt „heiße Tränen“ vergießen. Ein Roadtrip mit krimineller Energie, die Beschäftigung mit Leben und Tod – für mich ist in das Hörbuch (und das Buch) zu viel hineingepackt, es kratzt daher nur an der Oberfläche existenzieller Fragen und manches wirkt doch zu konstruiert. Auf anderes gibt es hingegen keine Antworten, allen voran die Frage, warum Axi überhaupt den Roadtrip macht – will sie nur weg von ihrem Vater oder hat sie andere Gründe? Mir persönlich gingen die vielen Zitate aus Büchern und Liedern auf den Wecker – anderen mag das gefallen.

Etwas schade ist, dass beim Hörbuch die Bilder, die im Buch mit abgedruckt sind, fehlen. Zumindest ein paar der Bilder hätte man mit abdrucken können.

Fazit: Heart.Beat.Love ist eine rührende, rührselige Geschichte, die ihre Stärke in der Liebesbeziehung, die sich zwischen Axi und Robinson entwickelt, hat. Zu ihren Schwächen zählen die fehlenden Details beim Roadtrip, sodass man als Leser kein Gefühl davon hat, wie lange die beiden unterwegs sind, sowie das Umschiffen der ernsten Themen von Leben und Tod.

James Patterson:
Heart. Beat. Love.
gelesen von Maximiliane Häcke

DAV, mp3-CD, Laufzeit ca. 333 Min.,
ISBN 9783862314867

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George & Joshua – Der Weg der Hoffnung

hannahben_georgeundjoshuaEin ungewöhnliches Jugendbuch ist George & Joshua von Hannah Ben. Ungewöhnlich deshalb, weil die Autorin Hannah Ben einen Schreibstil pflegt, der eher an die Bücher der Empfindsamkeit á la Sophie de la Roche erinnern: sentimental & anstrengend zu lesen.

Der Titel des Buches ist etwas missverständlich, denn eigentlich geht es um George, und kaum um Joshua. George, ein Musterknabe an einer Klosterschule, steht im Mittelpunkt des Jugendbuches. Auf seine Innensicht fokussiert sich die Autorin. Doch leider hat George da anfangs fast nichts zu bieten. Er wirkt naiv, trotz seiner 15 Jahre ist er absolut kindlich und geht dem Leser bereits nach den ersten Seiten gehörig auf den Keks. Zudem wirken seine Gedanken wie auch die Dialoge eher den 50er Jahren entnommen als dass sie von heutigen Jugendlichen stammen könnten.

Das wäre weiter nicht schlimm, wenn nicht Georges Gedanken- und Gefühlswelt in der ersten Hälfte des Buches fast wie ein Mantra immer wieder auf die gleiche Art und Weise wiederholt würden. Dies geschieht zumeist durch eine Anhäufung von Fragen – Was will Joshua von mir? Was will Johannes von mir? Warum mag er mich nicht? Was kann ich tun, damit er mich mag? George will es allen recht machen und will gemocht werden, seitenlang die gleiche Leier.

Zu der nervigen Anhäufung von Fragen kommt die inflationäre Verwendung der Auslassungspunkte (…) und der Gedankenstriche, die das Lesen streckenweise sehr mühsam werden lassen. Hier zeigt sich der Nachteil des fehlenden Lektorats.

Erst wenn im zweiten Drittel des Buches George immer selbständiger wird, seinen Mann steht, und – ja! –  George und Joshua zueinander finden, entwickelt sich auch der Sprachstil etwas.

Was man Hannah Ben zugute halten muss ist, dass sie – im Gegensatz zu manch anderen Autoren der Empfindsamkeit – nicht kitschig wirkt. Nein, ihr Buch ist an vielen Stellen sehr feinfühlig, vor allem, wo es um Liebe geht. Es wird das Knospen einer sanften, behutsamen, empfindsamen Liebe geschildert. Georges Liebeseingeständnis erfolgt gerade nicht Joshua gegenüber, Anziehung und Ablehnung halten sich zwischen den beiden zunächst die Waage. Der Glaube spielt für George zudem eine sehr wichtige Rolle. Ein sehr untypischer Coming-out-Roman also, eher ein Entwicklungsroman, der aufzeigt, wie wichtig es ist, von anderen Anstöße zu bekommen, um seinen Platz im Leben zu finden.

Das Buch ist zurzeit im Handel nicht erhältlich, da der Vorwurf im Raum steht, dass es sich um ein Plagiat handelt.

Hannah Ben: George & Joshua. Der Weg der Hoffnung
Creative Space Independent Platform, ISBN  9781512312867

Der den Sturm stillt

Der Schriftsteller Titus Müller, der sich sonst eher mit historischen Themen beschäftigt, hat sich nun biblische Geschichten vorgenommen. In seinem Band „Der den Sturm stillt“ schildert er Begegnungen mit Jesus. Das Besondere daran? Titus Müller erzählt die Geschichten des Neuen Testaments zumeist nicht einfach nach, sondern erzählt sie neu.

Er lässt die Menschen, die Jesus begegneten, zu Wort kommen, stellt ihre Perspektive auf das Geschehen dar. Dadurch wirken die Geschichten zumeist sehr lebendig, man spürt, dass es sich wirklich um Begegnungen handelt.

Manchmal gelingt es Müller dabei, die Geschichten „gegen den Strich zu bürsten“, einen neuen Blickwinkel aufzuzeigen. Am überzeugendsten ist ihm dies meiner Meinung nach bei Judas gelungen: der will selbst das Reich Gottes anbrechen lassen, indem er Jesus verrät – womit Judas aber nicht gerechnet hast ist, dass Jesus sich bei seiner Verhaftung gar nicht wehrt.

Eine interessante Akzentsetzung nimmt Titus Müller auch bei der Auferstehungsgeschichte vor: er deutet sie als Kampf zwischen den Dämonen. Keine klassische Auferstehungsgeschichte also. Allerdings muss ich zugeben, dass mich diese Geschichte so gar nicht überzeugt hat. Natürlich haben mir manche der Geschichten weniger gefallen. Barabbas als Gegenspieler von Pilatus darzustellen, gelingt meiner Meinung nach zum Beispiel nicht.

Ein Gewinn beim Lesen sind Titus Müllers Geschichten aber auch durch die Vielzahl an mitgelieferten Hintergrundinformationen. So erfährt man in der Weihnachtsgeschichte von der Rolle und der (niederen) gesellschaftlichen Stellung der Hirten, in den Passionsgeschichten von den jüdischen Gruppen zur Zeit Jesu. Und auch in den letzten Geschichten des Buches, die von den ersten Aposteln handeln, merkt man, dass Müller gründlich recherchiert hat, nimmt er doch die altkirchliche Sicht auf, dass ein Begleiter des Paulus der Verfasser des Markus-Evangeliums war.

Man kann Titus Müllers Geschichten nicht am Stück lesen – man sollte es auch nicht. Sie entfalten ihre Wirkung gerade dann, wenn man sie eine Weile „sacken“ lässt. Und dann kommt man unweigerlich zu der Erkenntnis: irgendetwas muss an diesem Jesus dran gewesen sein.

Titus Müller:
Der den Sturm stillt.
Begegnungen mit Jesus

Gerth Medien 2015,
ISBN 9783957340412