Die Sache mit dem Dezember

„Menschen konnten eine ganz schöne Zumutung sein. Alles wäre bestens gewesen, wenn man sie nur im Fernsehen hätte angucken müssen. Aber wenn sie das Land des eigenen Vaters kaufen wollten, dann konnten sie einen fix und fertig machen.“ – Menschen sind für Johnsey Cunliffe eine Zumutung. Eine ziemliche sogar. Der 24-Jährige lebt nach dem Tod seiner Eltern ziemlich zurückgezogen. Zudem hält er sich selbst für abstoßend und will niemandem zur Last fallen.

Und ausgerechnet dieser Johnsey besitzt ein Stück Land, das nötig wäre, um ein Gewerbegebiet ausweisen zu können. Doch das Land seines Vaters will und kann Johnsey nicht verkaufen. Und so beginnt das, was die Zeitungen später den „Landkrieg“ nennen werden.

Gut gefallen hat mir der Anfang des Buches. Die Gratwanderung zwischen Sympathie und Mitleid gelingt – Johnsey ist als Jugendlicher ohne Selbstwertgefühl, der von den anderen immer wieder verprügelt wird, absolut realistisch dargestellt. Zugleich wirkt Johnsey sehr sympathisch, schließlich kämpft hier einer gegen alle. Freilich fragt man sich als Leser, ob Johnsey nicht einfach zu naiv ist – hat er doch keine nachvollziehbaren Gründe, das Land nicht zu verkaufen. Um Umweltschutz etwa geht es an keiner Stelle des Buches.

Damit gelingt es Donal Ryan, die Dinge in der Schwebe zu halten: Johnsey ist sympathisch, aber hält sich selbst zurecht auch für dumm (und dick). Johnsey ist bemitleidenswert, weil er nach dem Tod seiner Eltern sein Leben neu ordnet, aber vieles bringt er so gar nicht auf die Reihe. Auch sprachlich ist dieser Schwebezustand gut umgesetzt. Donal Ryan arbeitet mit sehr viel Humor.

Genau das aber – dass alles in der Schwebe bleibt – hat mich am zweiten Teil des Buches sehr gestört. Keiner der Handlungsstränge wird letztlich zu einer Lösung geführt. Man bleibt am Schluss des Buches als Leser ratlos zurück und darf sich selbst ausmalen, wie es nun alles ausgehen könnte. Schade!

Donal Ryan:
Die Sache mit dem Dezember

Diogenes 2015,
ISBN 9783257069273

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