Greg Iles: Natchez Burning

Ich habe immer gedacht, dass ich meinen Vater kannte. Der ist sechsundachtzig geworden, erinnerst du dich? Ist an Darmkrebs gestorben. Weißt du noch, wie fromm er war? Nun, gegen ende habe ich ihn mal gesehen, wie er aus dem Wohnzimmerfenster seines Hauses schaute und weinte. Weinte. Kannst du dir vorstellen, dass Percy Cage so was gemacht hat?

Als ich ihn gefragt habe, warum er weint, hat mir Dad gesagt, er habe Angst. Angst vor dem Sterben. Ich kann dir gar nicht sagen, wie schockiert ich war. Ich habe gefragt, ob sein Glaube ihm nicht Trost spende – sein Glaube an ein Leben nach dem Tod. Er hat sich zu mir gedreht und mich angestarrt, dass es mich geschaudert hat, und dann hat er gesagt: ‚Nach diesem Leben gibt es nichts, Tom. Diese Welt. Dann nichts.‘ Und hat wieder zum Fenster hinausgeschaut.

Ich hatte das Gefühl, die Erde hätte sich zu meinen Füßen aufgetan. Obwohl ich im Grunde das Gleiche glaubte. Dad war sei Leben lang in die Kirche gegangen, hatte seinen Glauben bekannt, in der Sonntagsschule unterrichtet, immer das Richtige gesagt und getan. Aber als es dann tatsächlich so weit war, dass er in die Leere starrte, da ist all das ihm abhandengekommen. All die Jahre war er nie der Mensch gewesen, den ich zu kennen glaubte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s