Nox

Die Welt ist geteilt in eine Oberstadt und eine Unterstadt. Die Höhe des Wohnorts bestimmt den sozialen Rang. Wer in der Oberstadt wohnt, hat alles, was er braucht: Wasser, saubere Luft, Energie. In der Unterstadt dagegen herrscht ewige Dunkelheit, Armut und Kriminalität. Die Lebenserwartung ist hier gering. In der Unterstadt lebt der 17-jährige Lucen und sein bester Freund Gerges. Doch ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Gerges sich der Miliz anschließt und Lucen bei den Widerstandskämpfern, die sich für die Wiedervereinigung von Ober- und Unterstadt einsetzen, Unterschlupf findet. Denn Lucen weigert sich, den Heiratsplänen seiner Eltern Folge zu leisten und macht stattdessen die „Kompabilitätsprüfung“ mit Firmie, die allerdings auf einer niedrigeren sozialen Ebene steht als Lucens Familie.

In der anderen Welt, der Oberstadt, lebt Ludmilla, ebenfalls 17, die sich immer mehr Gedanken über die Welt(en) macht und nicht mehr einfach so hinnehmen will, was sie über die Unterstadt und ihre Menschen in der Schule lernt.

Aus der Sicht dieser drei Jugendlichen wird „Nox“ erzählt. Alle drei sind Menschen, die Fehler machen – denen es nicht gelingen kann, alle Folgen ihres Tuns richtig vorauszusehen. Das macht sie für den Leser zutiefst sympathisch. Die Welt, in der sie leben, wird gerade durch Alltägliches lebendig – wie oft man sich wäscht, woraus das Essen zubereitet wird. Wie rau beide Welten wirklich sind, wird vor allem im zweiten Teil des Buches deutlich, wenn Lucen sich allein durchschlagen muss.

Grevets Schreibstil ist sehr flüssig und leicht zu lesen. Etwas störend ist allerdings, dass manche Ereignisse durch einen anderen der Jugendlichen später noch einmal erzählt werden – zum Teil mit anderen Details, zum Teil werden aber auch Unterschiede der Wahrnehmung deutlich. Das führt an manchen Stellen des Buches dazu, dass man den Eindruck hat, plötzlich in der Handlung wieder zwei Schritte zurückzugehen.

Aus der Tatsache, dass er seine Idee aus dem Hinduismus entlehnt hat, macht Yves Grevet keinen Hehl. Die Abhängigkeit des sozialen Rangs vom Wohnort zeigt ein zementiertes Kastenwesen. Auch nennt Grevet diejenigen, die auf der untersten Stufe stehen, Parias – wie im Hinduismus die Kastenlosen. Dass es in der Unterstadt auch weniger Buchstaben gibt als in der Oberstadt, gehört zu den Erfindungen Grevets. Wer in der Oberstadt Lucien heißt, wird in der Unterstadt zu einem Lucen.

Mit „Nox“ ist Yves Grevet ein Buch gelungen, das spannend ist, Gefühle (auch sentimentale) nicht vernachlässigt und auf dessen Fortsetzung man mehr als gespannt ist. Denn wie mit Méto hat Grevet eine Trilogie vorgelegt. Der zweite Teil soll noch 2015 erscheinen.

Yves Grevet:
Nox. Unten

dtv-Verlag 2015,
ISBN 9783423650120

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