Umweg nach Hause

Benjamin Benjamin hat Pech im Leben: von seiner Frau verlassen, stürzt er ab. Schließlich nimmt er die Stelle einer Pflegekraft an und lernt so den 19-jährigen Trev kennen, der an Muskeldystrophie leidet. Als Trevs Vater bei einem Unfall verletzt wird, machen Benjamin und Trev sich auf den Weg zu ihm ins Krankenhaus, nach Utah. Und hier beginnt das Roadmovie, das nicht nur Benjamin, sondern auch Trev dazu zwingst, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Nicht noch ein Roadmovie, mag man da denken. Und ja, so ist es. Es ist eben noch ein Roadmovie, noch eine dieser Geschichten, bei denen man unterwegs ist, um unterwegs zu sein und so skurrilen Leuten zu begegnen, die allesamt irgendwie schrullig-sympathisch sind und ihre eigene Geschichte mit sich schleppen. Benjamin ist unterwegs, weil er über die Trennung von seiner Frau nicht hinwegkommt (und weil es einen Fahrer braucht). Trev ist unterwegs, weil er endlich mal raus muss aus seinen vier Wänden. Dot ist unterwegs, weil sie endlich mal raus wollte aus ihren vier Wänden. Peach ist unterwegs, weil Elton das will. Elton ist unterwegs, weil er einen verschrobenen Plan hat. Und es kommt, wie es kommen muss: Irgendwann sind dem Leser die Mitfahrer deutlich sympathischer als die Protagonisten selbst.

Mein Gefühl beim Lesen war, dass alles  vor sich hin dümpelt. Es gibt zwar einzelne Spannungsbögen wie z.B. ein unbekanntes Auto, das immer wieder auftaucht, und auch die Vorgeschichte von Ben, von der immer mehr deutlich wird, dass es ein konkretes Ereignis gegeben haben muss, das zur Trennung führte. Aber das fesselt den Leser nicht, es fehlt der Tiefgang. Etwas ärgerlich ist, dass die Reise erst etwa bei der Hälfte des Buches beginnt und die Handlung zuvor letztlich ohne große Bedeutung ist für die Reise.

Auch sprachlich hat mich das Buch nur teilweise überzeugt. Ein Beispiel für die schrägen Metaphern, die vorkommen: „Ich reagiere nicht mehr auf Gezwitscher, auf den Ruf von lächelnden Gesichtern und offenen Kaminen und gemütlichen Wohnzimmern. Ich werde kein Nest mehr zwischen Rosenblüten bauen. Zu viele Dornen.“ Was für Gezwitscher? Vogelgezwitscher? Geplapper? Und was ist ein Ruf von offenen Kaminen? Und wie will man bitte ein Nest zwischen Rosen bzw. genauer zwischen Rosenblüten bauen? Was für ein Unsinn!

Fazit: Ein mittelmäßiges Buch mit mittelmäßiger Handlung, in mittelmäßiger Sprache verfasst.

Jonathan Evison:
Umweg nach Hause

Kiepenheuer & Witsch 2015,
ISBN 9783462046595

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