Sich in Polen einen Bob schneiden lassen

Storys nennt Magdalena Jagelke ihre kleinen  Geschichtchen, die meist nur wenige Seiten umfassen. Dabei erzählt Magdalena Jagelke zumeist aus der Ich-Perspektive. Und zumeist ist es eine junge, moderne Polin, die da spricht. Die nichts anfangen kann mit den alten Traditionen, dass man sich zur Hochzeit die Haare onduliert, dass man religiöse Anwandlungen bekommt.

Während die Verwandtschaft, aber auch die Freunde und Partner ihr Fett wegbekommen, sind es überraschend die Chefs, die umworben werden und denen sich die Ich-Erzählerin immer wieder unterwirft. Ironie mag man dabei erahnen, jedoch ist die Notwendigkeit, sich an- und einzupassen, allgegenwärtig. Die junge Frau, die da erzählt, steht im Leben, sucht sich ihren Weg zwischen all den Vorurteilen der Alten (eben das alte Europa) und all den Schwierigkeiten im Leben, denen zu trotzen ist. Und zumeist ist sie erfolgreich, auch wenn der Weg manchmal sehr ungewöhnlich ist wie etwa die künstliche Befruchtung einer Single-Frau.

Es sind kurze Eindrücke, mehr nicht, die Jagelke hier versammelt hat. Mit einem Satz, mit einem Federstrich werden komplexe Entscheidungsprozesse abgehakt, wird die Handlung von Monaten zusammengefasst. Das kann sich dann zum Beispiel so anhören: „Ich bin im sechsten Monat. Man hat mir gekündigt. Ich ziehe um. Die Wohnung ist billiger. Als ich im achten Monat bin, ist die Scheidung.“

Es ist dieser Stakkato-Stil, der die Kürzestgeschichten Jagelkes ausmacht. Nur wenige der Geschichten lassen sich mehr Zeit mit dem Erzählen. Ein wenig fremd wirken die beiden Geschichten, die ins 18./19. Jahrhundert zurückgehen, in dieser Sammlung an „Storys“.

Magdalena Jagelke:
Sich in Polen einen Bob schneiden lassen.
Storys

als ebook erschienen bei Culturbooks,
ISBN 9783944818757, 2015

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