Durst ist schlimmer als Heimweh

Judith Sita ist 16 und wohnt in Hamburg. Vom Vater misshandelt und missbraucht, von der Mutter verlassen landet sie schließlich in einer Wohngemeinschaft. Von der Zeit, die sie dort verbringt, rund ein Jahr, handelt Lucy Frickes Buch „Durst ist schlimmer als Heimweh„. Man taucht ein in das Soziogramm einer Wohngemeinschaft, in der jeder sein Päckchen zu tragen hat und eine verkorkste Jugend hinter sich lassen will.

Wie schwer es ist, etwas zu verarbeiten, hinter sich zu lassen, neu anzufangen: das sind die Themen, die Lucy Fricke in ihrem Buch immer wieder streift.  Judith ist eine Einzelkämpferin, will nicht über alles reden, sondern einfach alles vergessen. Doch der Schritt ins aktive Leben misslingt ihr immer wieder. Ohne Schulabschluss nimmt sie immer wieder einfache Jobs an, fliegt wieder raus. Therapieangebote lehnt sie ab, Neujahrsvorsätze kann sie nicht durchhalten. Ihre Zukunft, so heißt es gegen Ende des Buches, kommt ihr vor wie ein schwarzer Fleck. Und so endet das Buch auch mit dem Satz „Die Züge fuhren jetzt wieder“ – Judith ist noch lange nicht am Ende ihrer Suche nach sich selbst angekommen, ihre Reise geht weiter.

Die Sprache ist es, die mir an diesem Buch gefallen hat: nichts ist aufgesetzt, nichts wirkt gekünstelt, kein falsches Pathos. Dass Judith so redet, so denkt – absolut realistisch. Dennoch habe ich mich nach dem Lesen gefragt: So what?!? Was soll mir diese Geschichte sagen? Trotz einzelner dramatischer Handlungselemente: da ist nichts, was bleibt, alles dümpelt vor sich hin. Erzählter Alltag einer Wohngemeinschaft aus der Perspektive von Judith, die bis zuletzt unnahbar und unberechenbar bleibt. Nichts hält einen an dieser Geschichte gefangen. Zudem ist es nicht leicht, in das Buch hineinzufinden, vieles wird in Rückblenden erzählt und zunächst nur angedeutet.

Lucy Fricke:
Durst ist schlimmer als Heimweh

rororo, 2014,
ISBN 9783499260001
(Erstausgabe: Piper-Verlag, 2007)

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