Zebrawald

Eine glückliche Kindheit sieht anders aus: Annies Mutter ist abgehauen, als sie drei Jahre alt war, ihr Vater bei einer Schlägerei gestorben. Annie wächst mit ihrem Bruder Rew bei ihrer Großmutter auf, die je älter sie wird, umso skurrilere Verhaltensweisen an den Tag legt. So lernt Annie für die anderen zu sorgen. Die 11-Jährige macht die Einkäufe, kocht, wenn die Großmutter sich tagelang zurückzieht und lernt, die Frau vom Jugendamt mit erfundenen Geschichten zu bezirzen.

In dieses fragile Familiengebilde bricht eines Tages ein entflohener Häftling herein, und leibhaftig steht ihr Vater vor ihnen – und der ist alles andere als tot. Langsam nähern sie sich an, bauen Vorurteile ab und lernen sich kennen. Doch schließlich kommt es zu einem dramatischen Finale.

Mit „Zebrawald“ ist der amerikanischen Schriftstellerin Adina Rishe Gewirtz eine sehr dichte Geschichte gelungen, in der alles seine Bedeutung hat. Nichts hat Gewirtz dem Zufall überlassen – sei es die Geiselhaft im Iran, sei es Stevensons Schatzinsel, alles fügt sich schließlich in die Geschichte ein. Vielleicht ist die Handlung ein klein wenig zu perfekt konstruiert, um sie realistisch wirken zu lassen. Aber meiner Meinung nach macht gerade das ihren Reiz aus. Nichts ist dem Zufall überlassen, alles passt und verdichtet sich in einem enorm kleinen Bezugsrahmen: das einsam gelegene Haus in der Nähe der Kleinstadt Sunshine ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Und was die Geschwister erleben und tun, ist absolut altersgemäß aus der Sicht von Annie dargestellt. „Zebrawald“ ist ein Buch der leisen Töne, das das Ende der Kindheit aufzeigt. Für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren zu empfehlen.

Adina Rishe Gewirtz:
Zebrawald

cbt-Verlag, 2014, 256 Seiten,
ISBN 978-3-570-16309-2

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