Das große Heft

Zwei Jungen sind am Ende des Zweiten Weltkriegs allein auf sich gestellt. Ihre Eltern haben sie zu ihrer Großmutter gebracht, wo sie sicherer sind. Doch das trügt: denn die Wohnung der Großmutter liegt direkt bei einem Konzentrationslager und die Großmutter selbst hält nicht viel von ihren Enkeln. Sie müssen kräftig zupacken, um sich ihr Essen zu verdienen. Deshalb üben die Zwillinge, alles hinzunehmen. Sie härten sich ab, indem sie sich gegenseitig verprügeln, indem sie über mehrere Tage nichts essen. Im Grunde genommen erziehen sie sich selbst, und bestimmen selbst, was sie lernen wollen.

Sie lassen ihre eigene Welt von Regeln entstehen, wo Ungerechtigkeit bestraft wird – was sie auch gerne selbst durchsetzen. Man kann nicht sagen, dass die beiden Jungen verrohen – denn sie überleben den Krieg und haben ihre Gefühle nicht verloren. Es ist vielmehr so, dass sie autark werden, unabhängig von ihrer Umwelt und unsozial – Schwierigkeiten das Haus einer Freundin anzuzünden, weil sie die Unwahrheit gesagt hat, haben sie nicht, ihre Eltern akzeptieren sie nicht mehr, als sie wiederkommen und sie holen wollen.

Es sind vor allem kleine Szenen, die mich bei diesem Film berührt haben. Die Trennung der Zwillinge am Schluss, die als „Aufgabe“ inszeniert ist, die Parallelität zwischen den Darstellungen über das Konzentrationslager und die fast gleich wirkende Präsentation getöteter Tiere der beiden Jungs.

Am Anfang vermutete ich noch, der Film sei eine Beschreibung der schwierigen Verhältnisse, in denen Kinder während des Zweiten Weltkriegs aufgewachsen sind. Doch bereits nach der ersten Viertelstunde verflüchtigte sich dieser Eindruck. Im Grunde genommen ist „Das große Heft“ eine einzige Parabel – darüber, was ein Krieg aus Menschen machen kann und vor allem darüber, wie wichtig für soziales, gesellschaftsfähiges Handeln die Erziehung ist. Es ist die Gesellschaft, die Werte vermitteln muss, man kann sie sich nicht selbst beibringen. Kinder sich selbst überlassen: das kann nur im Unglück enden.


„Das große Heft“ ist ein Film, auf den man sich einlassen muss, um ihn gut finden zu können. Aber es lohnt sich!

Das große Heft
Regie: János Szász
nach dem Roman von Agota Kristof
Piffl Medien , 2014

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3 Gedanken zu „Das große Heft

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