Der Arme Konrad

Süddeutschland um das Jahr 1514: Missernten führen zu Hungersnöten, während der württembergische Herzog aus den Vollen schöpft und allerlei Wege findet, um seinen Untertanen noch mehr Geld aus den Taschen zu holen. Was folgt, ist der Aufstand der armen Leute, des „deutschen Michels“, genannt „der arme Konrad“.

Davon, wie dieser Aufstand entstand und wie es dem Herzog gelang, ihn wieder abzuwenden, berichtet Jürgen Seibold in seinem historischen Roman „Der Arme Konrad“.

Im Mittelpunkt des Romans steht der Ort Beutelsbach. Die unterschiedlichen Bewohner beherrschen die Handlung: da gibt es den angesehenen Tagelöhner, den Schultheiß, der sich väterlich um seine Leute kümmert, die alte Heilerin und natürlich gibt es auch eine echte Liebesgeschichte. Allerdings, so viel sei verraten, ohne happy end.

Diese Liebesgeschichte und die Freundschaft, die daran zerbricht, ist neben dem Aufstand das zweite beherrschende Thema des Romans. Und da muss ich gestehen: für mich hat es zu lange gedauert, bis endlich der Aufstand losbricht. Wer allerdings an historischen Romanen gerade die Geschichten drumherum mag, für den ist alles geboten: eine unglückliche Liebe, ein eifersüchtiger Kontrahent, eine zerbrochene Freundschaft, eine unklare Vaterschaft, lüsterne Mägde, viel Zank mit der Obrigkeit, flammende Reden und nicht zuletzt ein Weinbrunnen.

Die Figuren des Romans sind lebendig dargestellt, ihre Ängste und Nöte plastisch beschrieben. Gerade deshalb verliert das Buch (obwohl es ein historischer Roman ist *g*) so gut wie nie an Spannung.

Wie akribisch Jürgen Seibold die historischen Quellen studierte, um eine angemessene Mischung aus Fiktion und Historie herzustellen, zeigt sich an vielen historischen Bezugnahmen. Im Anhang lässt unter anderem in einer Zeittafel nachlesen, wie die historischen Fakten tatsächlich aussahen.

Jürgen Seibold:
Der Arme Konrad.
Historischer Roman

Silberburg-Verlag,
ISBN 9783842512979

Das Schicksal ist ein mieser Verräter/ The Fault In Our Stars

Viele schöne Sätze – so lässt sich vielleicht am besten beschreiben, warum um John Greens Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (The fault in our stars) ein derartiger Hype entstanden ist. Der Film allein kann nicht der Grund sein.

Hazel und Gus, das ist das traurige Liebespaar, von dem Greens Buch handelt. Die beiden von ihrer Krankheit Gezeichneten finden zueinander, lieben sich, im Wissen um ihre Vergänglichkeit. Das macht das Buch an vielen Stellen abgrundtief traurig, abgrundtief melancholisch.

Aber man leidet nicht nur mit beim Lesen, man lacht auch mit. Denn das Buch besteht auch aus skurrilen, witzigen Szenen, aus flapsigen Reaktionen und aus knackigen Kommentaren in den Gesprächen.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die häufigen literarischen und symbolischen Anspielungen. Aus meiner Sicht ist das Buch damit völlig überfrachtet – es nimmt ihm das Spontane, das Natürliche. Zu viele Sätze passen einfach zu gut, zu viele Sätze wirken wie Sätze fürs Poesiealbum. Das ist schade, denn die Handlung selbst wirkt äußerst realistisch. Die beiden lernen sich beim Treffen einer Selbsthilfegruppe kennen und verlieben sich ineinander. Sie sind füreinander da, auch wenn sie wissen, dass ihre Liebe nur von kurzer Dauer sein kann. Figuren wie der unsympathische Schriftsteller Peter van Houten sorgen dafür, dass die Handlung auf den Boden der nüchternen Tatsachen zurückfindet und nicht in schönen Worten eingegossen bleibt.

Die deutsche Übersetzung von Sophie Zeitz trifft den Ton des Autors gut.

John Green:
Das Schicksal ist ein mieser Verräter, 

dtv (Reihe Hanser),
ISBN  978-3423625838

 

 

englische Version:
John Green:
The fault in our stars,

Penguin books, ISBN 978-0525478812