Ein feiner dunkler Riss

Ins Amerika des Jahres 1958 führt Joe R. Lansdales Roman „Ein feiner dunkler Riss“ seine Leser. Der 13-jährige Stanley Mitchel Junior ist mit seinen Eltern nach Dewmont gezogen, wo die Familie fortan ein Autokino betreibt. Da die Hauswand als Leinwand dient, ist das Innere der Kinoleinwand Stanleys Zuhause. Stanleys Vater ist der typische Amerikaner, der den amerikanischen Traum verkörpert: bodenständig, und in der Lage, aus seinem Leben etwas zu machen.

Doch als Stanley in einer verfallenen Villa einen Behälter mit alten Liebesbriefen von M und J findet, kommt auf die typische amerikanische Kleinfamilie bald einiges zu. Denn Stanley wird mit Hilfe des schwarzen Filmvorführers Buster zum Detektiv, der zwei vor langer Zeit in ein und derselben Nacht begangene Morde aufklären will. Und das findet nicht jeder gut.

Der damals vorherrschenden Rassendiskriminierung gibt Lansdale einigen Raum, indem er die Protagonisten beispielsweise darüber diskutieren lässt, ob man „Nigger“ sagen darf. Und im Umgang der Familie mit Schwarzen wird schon deutlich, dass die Zeiten der Diskriminierung bald vorbei sein dürften. Auch die Sprache der 50er Jahre tritt immer wieder auf, wenn Stanleys Freund Richard etwa als „prima Lausebengel“ bezeichnet wird.

Erzählt wird die Handlung (rückblickend) aus Stanleys Perspektive. Als Gegenpol zur intakten Familie Stanleys dient sein Freund Richard, dessen Vater ihn regelmäßig verprügelt. So sind in dem Roman die Lebenswelten der amerikanischen Mittel- und Unterklasse der 1950er Jahre präsent.

Und auch die Spannung kommt nicht zu kurz: auf den letzten 50 Seiten erfolgt der erlösende Showdown – auch wenn nicht alle Fragen beantwortet werden.

Joe R. Lansdale:
Ein feiner dunkler Riss
Suhrkamp Verlag 2014,
ISBN 9783518464977

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