Helge Schneider: Hefte raus, Klassenarbeit (CD)

In dieser Live-Aufnahme aus Stuttgart (und anderswo, wie es im Booklet heißt) kommt Helge Schneiders Hang zum Fabulieren besonders zum Tragen. Er liebt es, kleine Geschichten zum Besten zu geben. Mein Lieblingsstück: Die Katzenoma, eine kleine Geschichte, die harmlos anfängt und im Absurden endet, wenn sich die Katzenoma auf der Suche nach dem billigen Katzenfutter gegen den Monopolisten Schlecker auflehnt. Neben dem üblichen Klamauk sind es die Stimmenimitationen, die Schneider hörenswert machen und auf dieser CD bringen einen die vielen beliebig hergestellten Verbindungen zu Märchen besonders zum Lachen.  

Dass Schneider musikalisch einiges auf dem Kasten hat, wird vor allem auf der zweiten CD deutlich, wenn Schneider zum Solo ansetzt. Aber auch zu Beginn gibt es durch die „Cover“ von Elvis & Co. musikalisch auf die Ohren.  

Also: Absolut hörenswert! Einzige Voraussetzung: Man muss Schneiders skurrilen, ins Groteske gehenden Humor mögen.  

Helge Schneider und seine kleine Band „Hardcore“:
Hefte raus – Klassenarbeit
tacheles/ROOF Music,
Neuauflage 2011

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Morbus Dei

Ein Dorf irgendwo in Tirol im Jahr 1703: Johann flieht, nachdem er einen geldgierigen und betrügerischen Bauern schwer verletzt hat, und gelangt völlig entkräftet in ein abseits gelegenes Dorf. Ein Dorf, das seine Geheimnisse hat. Eines davon ist die „Gottesgeißel“, die das Dorf bedroht. Nach und nach findet Johann heraus, was sich dahinter verbirgt. Und er verliebt sich in die Tochter von einem der Bauern. Nicht genug, dass der Bauer damit so gar nicht einverstanden ist, die Lage im Dorf spitzt sich zu, als eine versprengte Gruppe bayerischer Soldaten ins Dorf kommt und Quartier bezieht.

Den beiden Autoren, Bastian Zach und Matthias Bauer, ist es gelungen, ein stimmiges düsteres Bild zu schaffen. Und in diese Mischung aus Argwohn, Aberglaube und Aussatz sind die Hauptfiguren hineingestellt mit ihren edlen Zügen und mit ihren inneren Gewissensnöten. Am spannendsten ist vielleicht die Figur des Kajetan Bichter – ein Pfarrer, der sich heimlich davonschleicht, der voller innerer Zweifel und Fragen ist. Ein Pfarrer, der sich geißelt, um sich zu bestrafen – und um eine Antwort von Gott zu erhalten. Für Spannung sorgt auch die Parallelführung zweier Handlungsstränge im dritten Teil des Buches.

Fazit: ein gelungener Roman, der Spannung garantiert und eine interessante Figurenzeichnung hat. Einziger Nachteil: Wer wissen will, wie es weitergeht, muss den zweiten Teil der Trilogie lesen.  

Bastian Zach/Matthias Bauer:
Morbus Dei – Die Ankunft

Haymon Verlag,
ISBN 9783852188461
(erster Teil einer Trilogie!)

Matthias Egersdörfer mal musikalisch (CD)

Matthias Egersdörfer musikalisch unterwegs: Mit der etwas älteren „Boygroup“ tritt er singend und spielend auf – und moderiert den Abend in seiner gekonnt schnodderigen, herumschnauzenden Art unter dem Motto „was kostet die Welt“. Um halb eins wird da in die Minibar gegriffen – und die Flasche nicht ausgetrunken, und im Hotelzimmer legt er sich sogar mit nassen Haaren aufs Bett  …  Wenn das nicht mal Rock’n’Roll ist! Zum Teil ist es so, dass die Zwischentexte Egersdörfers witziger sind als die Liedtexte selbst.

Faszinierend ist, dass es Frontmann Egersdörfer in den Liedern mit seiner „Boygroup“ sogar gelingt, seine Aufreger loszuwerden – vom eingegangenen Pullover bis hin zum lakritzsüchtigen Saxofonspieler der Band.

Dabei verwendet die Musikgruppe vor allem englische Titel, die einen deutschen Text verpasst bekommen. Und Egersdörfers Texte sind so grotesk, wie man sie aus seinen früheren Programmen schon kennt. Da geht es um tiefergelegte Winterfrauen, um das maximo Luder Salome und einiges mehr.

Hörenswert!

Matthias Egersdörfer und Fast zu Fürth:
sexy Baby.
Live in Hamburg

CD erschienen bei Wortart

 

Der Bilderwächter

Ilka ist die Hauptfigur in diesem neuen Thriller von Monika Feth. Im Gegensatz zu früheren Büchern der Jette-Reihe spielt Jette Thalbach dieses Mal nur eine Nebenrolle. Als Detektivin tritt sie erst am Schluss des Buches auf.

Auf 478 Seiten ist dieses Mal Ilka Helmbach im Vordergrund. Sie und ihr verstorbener Bruder Ruben Helmbach, „Superstar“ Ruben. Denn zwei Jahre nach dem Tod des erfolgsverwöhnten Malers soll der Nachlass nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Doch der Assistent des Nachlassverwalters wird plötzlich ermordet und in Ilka kommen all die negativen Erinnerungen wieder hoch. Negative Erinnerungen, die auch mit einem kleinen Geheimnis zu tun haben.

Ohne zu viel zu verraten: bei einem Mord bleibt es nicht. Wobei in diesem Buch von Monika Feth die Spannung nicht im Vordergrund steht. Das Erfolgsrezept ist dieses Mal in der Art, wie die Figur der Ilka dargestellt ist, zu suchen und zu finden. Sie ist mehr denn je als eigenständiger Charakter gezeichnet. Ihrer persönlichen Entwicklung, ihrem Umgang mit der Vergangenheit gilt das Interesse des Lesers.

Mit Andeutungen und Vorausahnungen geht Monika Feth in diesem Band vergleichsweise sparsam um. Die Handlung ist eher linear, Nebenhandlungen gibt es kaum, wenn auch wie immer einige falsche Fährten gelegt sind.

Wie alle Jette-Thriller ist auch dieser, der fast ohne Jette auskommt, empfehlenswert, gerade weil der Fokus der Autorin nicht mehr so sehr auf dem Spannungsaufbau, sondern vielmehr auf der Entwicklung der Figuren liegt.

Monika Feth: Der Bilderwächter
cbt Jugendbuchverlag,
ISBN 9783570308523

High Love

Um die erste große Liebe geht es in Madlen Ottenschlägers Jugendbuch „High Love“. Und um die ersten Erfahrungen mit Drogen.

Moritz heißt er, die große Liebe der 16-jährigen Manja. Sein Grübchen, sein Lächeln mag Manja. Doch ist er wirklich so liebenswert? Immer mehr wachsen in Manja die Zweifel, denn immer öfter ist Moritz der Stoff wichtiger als seine Freundin. Doch dann kommt es durch einen Unfall zum abrupten Showdown.

Der Schriftstellerin und Journalistin Madlen Ottenschläger ist es gelungen, in ihrem Buch eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte mit der Identitätssuche der Protagonistin zu verknüpfen. Manja ist stolz darauf, zur angesagten Clique zu gehören, will auch mal Drogen ausprobieren und durchlebt den alltäglichen pubertären Wahnsinn – wobei sie immer Menschen um sich herum hat, auf die sie sich verlassen kann.

Das Buch selbst lässt sich schnell lesen, die Handlung ist leicht zu erfassen. Daher ist das Buch eher an jüngere Jugendliche gerichtet.

Madlen Ottenschläger:
High Love
Carlsen Choice,
ISBN 9783551311764