Ich werd sowieso Rapper

„Habt ihr gehört, ihr Knechte? Ich war gestern bombe!“ So hört es sich an, wenn Lea Feynberg Schüler aus ihrem Unterrichtsalltag zu Wort kommen lässt. In ihrem Buch „Ich wird sowieso Rapper“ hat die Berliner Lehrerin Momentaufnahmen aus ihrem Unterricht versammelt. Dazu hat sie ihre eigene Biografie eingeflochten.

Dieser zweigleisige Aufbau führt dazu, dass man das Buch nicht nach der Hälfte weglegt. Denn die Berichte aus dem Klassenzimmer verlieren doch nach und nach an Witz und Spannung. Die Schüler haben zwar alle Namen, sind jedoch nicht mit Charakteren versehen. Auch wenn die Kapitel monatsweise gegliedert sind, gibt es keinen Handlungsbogen, der durch das Schuljahr führt. Zwar ist es interessant, die Besonderheiten der Sprache der Jugendlichen zu verfolgen, die sich selbst als Ausländer bezeichnen, obwohl sie in Deutschland geboren sind, das kann jedoch nicht als Thema für ein ganzes Buch genügen. Sätze wie „Ist der hässlich, läuft der ohne Jacke“ oder „ich mache miesestes Referat“ zeigt schön die Sprache der Schüler – irgendwann hat man sich daran aber sattgelesen.

Da ist es gut, dass Lea Feynberg ihre eigene Geschichte mit eingeflochten hat. Chronologisch erfährt man die Stationen ihrer Biografie: die Kindheit als Jüdin in Russland, die Auswanderung nach Deutschland, ihre Schul- und Studienzeit. Interessant wird es dann, wenn Lea Feynberg reflektiert, was sie von ihren Schülern unterscheidet, weshalb ihr im Gegensatz zu ihren Schülerinnen und Schülern ihre Bildung immer wichtig war.  

Dennoch resigniert die Lehrerin an einer Berliner Sekundarschule nicht oder überschüttet ihre Schüler mit Vorwürfen. Stattdessen bricht sie eine Lanze für den Beruf des Lehrers. Ein Beruf, der ihre Berufung zu sein scheint. Da passt meines Erachtens der Buchuntertitel nicht so wirklich: „Erfahrungen einer gut gelaunten Lehrerin“ – als ob es um gute Laune geht oder die Kunst, die gute Laune trotz schlecht gelaunter Schüler nicht zu verlieren. Es geht doch eher um die Erfahrungen einer Lehrerin, die sich die Mühe macht, ihre Schüler verstehen zu wollen.  

Insgesamt also ein Buch, das den Berliner Jugendslang gut wiedergibt, aber auch seine Schwächen hat.  

Lea Feynberg:
Ich werd sowieso Rapper.
Erfahrungen einer gut gelaunten Lehrerin
Kiwi-Verlag,
ISBN 9783462045857

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