All Games

Adrian ist die Hauptfigur in Christian Waluszeks Buch „All Games“, das rund 200 Jahre in der Zukunft spielt. Von der Schule ist Adrian genervt, daher nutzt er sofort das Angebot, einen Job anzunehmen, nachdem er bei einem Programmierwettbewerb gewonnen hat. Allgames ist fortan sein Arbeitgeber. Sein Leben wird von einem aufs andere Mal traumhaft schön. Als Schüler noch mit jeder Menge Spielschulden behaftet, wird er nun zu einem reichen Mann. Doch bald muss Adrian erkennen, dass nicht alles in dieser Welt Gold ist, was glänzt. Adrian – so viel sei verraten – merkt, dass er immer mehr zur Maschine wird. Immer mehr hinterfragt er, welche Rolle der reichste Mann der Welt und Chef von Allgames, Kain Maverick, und sein Arzt Dr. Zhou, spielen. Denn Adrian verliert sein Gedächtnis, die Fähigkeit sich zu erinnern kommt ihm immer mehr abhanden. Aus dem Games Land zu fliehen, bringt ihn in Lebensgefahr und es kommt zu einem handgreiflichen Showdown am Schluss, mit dem die Handlung am 9.9. 2208 endet.

Am Anfang ist es etwas schwer, sich in all das hineinzudenken, was Christian Waluszek sich ausgedacht hat. Aber mit der sich entwickelnden Handlung gewöhnt man sich daran. Allerdings hat sich der Autor sehr viele Spielereien ausgedacht, die er ausführlich beschreibt. Diese Vielzahl an Erfindungen, die ausführlich dargestellt sind, machen das Lesen nicht immer leicht. Nicht nur an manchen, an einigen Stellen ist man in Versuchung, Seiten zu überblättern bis die Handlung endlich weitergeht. Vieles, zu vieles, das die Handlung kaum bis gar nicht voranbringt, ist in aller Ausführlichkeit dargestellt. Erst in den letzten Kapiteln nimmt die Handlung wieder deutlich an Fahrt auf und wird mit dem Projekt „Arche Noah“ richtig spannend.

So gibt es in „All Games“ einige schöne Ideen wie die Think&Gen-Programmierung, aber sehr viele zumindest aus meiner Sicht überflüssige Beschreibungen. Gut 100 Seiten weniger hätten dem Buch gutgetan.

Christian Waluszek:
All Games (z.T. auch Allgames geschrieben)
Carlsen-Verlag,
ISBN 9783551310415

Seelen im Eis

Odinn heißt der tragische Held in Yrsa Sigurdardottirs neuem Buch „Seelen im Eis“. Es ist nicht der Göttervater Odin, der dem Namen Pate gestanden hat, sondern der Totengott. Denn Odinn Hafsteinssons Leben ist alles andere als erfüllt. Nach dem Tod seiner Ex-Frau Lára kommt er nicht mehr in den Tritt. Er hat einen neuen Job angenommen, der ihn nicht erfüllt. Er hat seine elfjährige Tochter Rún zu sich genommen und muss erkennen, dass er ein schlechter Vater ist. Er wohnt in einem verlassenen Mietshaus, das ihm immer gespenstischer vorkommt und in dem sie schließlich als einzige Bewohner übrigbleiben. Und nicht zuletzt übernimmt er in der staatlichen Kontrollbehörde die Arbeit einer Kollegin, die verstorben ist und kaum brauchbare Unterlagen hinterlassen hat.

Odinns Aufgabe ist es, einen Bericht über das Erziehungsheim Krokur zu verfassen, in dem in den 70er Jahren schwer erziehbare Jugendliche lebten. Wie es dort zuging und was 1974 dort passierte, schildert der zweite Handlungsstrang des Buches. Aus der Sicht von Aldís, die für Hausarbeit eingestellt ist, werden die Ereignisse rund um ein totes Baby und zwei tote Jungen des Heims geschildert. Was war Unfall, was war Mord? – Das ist die Frage, die man sich als Leser immer wieder im Laufe der Handlung stellt.

Die Hauptfiguren sind eindrücklich beschrieben, sei es der unnahbare Odinn, der nicht sicher ist, ob er wahnsinnig wird und sich als alleinerziehender Vater maßlos überfordert fühlt, sei es die junge Aldís, die davon träumt, Stewardess zu werden. Und dann sind da noch die ganz und gar unsympathischen Heimeltern! Das Leben in einem Heim mit all den damit verbundenen Schikanen wie dem Nichtaushändigen der Post ist äußerst eindrücklich geschildert. Wobei eigentlich nur die Heimeltern schlecht wegkommen, alle anderen im Kinderheim Krokur haben doch genügend gesunden Menschenverstand und die „schwer erziehbaren Jugendlichen“ wirken doch sehr leicht erziehbar.

Wie immer bei den Büchern von Yrsa Sigurdardottir ist es spannend herauszufinden, wie die beiden Handlungsstränge – die Gegenwart und die 1970er Jahre – miteinander verbunden sind. Jedoch ist einiges sehr vorhersehbar und manch gelüftetes Geheimnis nicht allzu überraschend. Das ist bei anderen Büchern von Sigurdardottir wie dem „Todesschiff“ so nicht der Fall, daher war ich von „Seelen im Eis“ etwas enttäuscht. Richtig gruselige Szenen gibt es hier außerdem nur selten. Nichtsdestotrotz gelingt es der Krimi-Autorin, immer wieder unerwartete Wendungen in die Handlung einzubauen. Schon dafür lohnt sich die Lektüre!

Fazit:
+: dichte Atmosphäre, zumeist kauzige Figuren, die in ihrer Charakterisierung überzeugen
-: Handlung ist nicht immer so spannend wie man es von einem Thriller erwartet

Yrsa Sigurdardottir:
Seelen im Eis

Fischer-Verlage,
ISBN 9783596195336

Friedrich der Große

Bernd Gutberlet geht in seinem Hörbuch neue Wege, um das Leben Friedrichs des Großen zu beleuchten. Er beschreibt die Orte, die Friedrich als Kind geprägt haben und die Orte, die ihm später wichtig wurden.

Dabei entsteht mosaikhaft ein Bild Friedrichs: das Kind, das keine väterliche Liebe erfährt, das einen stümperhaft geplanten Ausbruchsversuch unternimmt. Der Landesherr, der taktisch kühl plant, der sich im Detail um die Angelegenheiten des Landes kümmert. Der Bauherr, der vor allem fernab der Hauptstadt seine Visionen verwirklicht. Der Feldherr, der gewinnt, weil das Glück ihm hold ist und zuletzt auch der Philosoph, als der Friedrich allein begraben werden will.

Am beeindruckendsten ist wohl die Akribie, mit der Friedrich der Große arbeitet: Kriegsschäden lässt er im Detail aufschreiben und entscheidet selbst, wie beim Wiederaufbau vorgegangen werden soll. Selbst um die schleppende Akzeptanz der Kartoffel als Nahrungsmittel kümmert sich Friedrich persönlich.

So entsteht ein Bild dieses Herrschers, das ambivalent ist. Freilich: ein vollständiges Bild ist es nicht. Man will mehr wissen von diesem Mann, der zugleich gehasst und geliebt wurde.

Bernd I. Gutberlet:
Friedrich der Große.
Eine Reise zu den Orten seines Lebens

Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2011,
ISBN 9783654603230

Die Tribute von Panem

Nach einem missglückten Aufstand entwickelt die Regierung ein perverses Spiel, um die abtrünnigen Distrikte unter ihrer Gewalt zu behalten: die Hungerspiele. Zwölf Distrikte müssen je 2 Jugendliche zu den Hungerspielen schicken. Es gewinnt, wer überlebt. Soweit das Setting dieses Filmes.

Spannend ist am Anfang des Films die Perversion der Macht. Die Regierung demonstriert ihre Macht nach außen mit Luxus und Pomp, während die Distrikte in Hunger und Armut versinken. „Fröhliche Hungerspiele und möge das Glück stets mit euch sein“ – so werden die zwölf Jugendlichen in den Kamp um Leben und Tod geschickt. Nach und nach wird deutlich, wie man in den Lostopf gerät: Wer etwas von der Regierung will, zum Beispiel Nahrung, kommt mit einem Los hinein. Die Hungerspiele sind so ein Teil der Unterdrückung, indem sie eine auf Sparflamme köchelnde Hoffnung sind – eine Hoffnung allerdings, die kontrolliert wird.

Die Hauptfiguren sind die beiden Kämpfer aus dem zwölften Distrikt: die 16-jährige Katniss und der Junge Peeta. Katniss meldet sich freiwillig als Tribut – für ihre Schwester. Sie sind Außenseiter in diesem Spiel, denn in anderen Distrikten werden die Kämpfer ausgebildet. Doch beide haben die Sympathie des Zuschauers auf ihrer Seite, wollen sie doch „echt“ bleiben, unverfälscht, auch wenn sie beliebt sein müssen, um Sponsoren zu bekommen.

Diese Spannung zwischen Sein und Schein, zwischen Verbrüderung und Verrat, Liebe und Hass gibt der Handlung zusätzlichen Elan.

Die Tribute von Panem
Regisseur: Gary Ross

Erscheinungsjahr: 2012